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Sorge um kleine Schwester: CDU-Generalsekretär Pofalla redet schön

Berlin. Ronald Pofalla sieht aus, als habe er die Wahl verloren. So blass steht der CDU-Generalsekretär am Rednerpult im Foyer des Konrad-Adenauer-Hauses in Berlin. Doch diesmal ist es die Niederlage der bayerischen Schwesterpartei, die er schön zu reden hat - mit Sätzen wie diesem: "Die Stimmen sind im bürgerlichen Lager geblieben." Oder auch mit Blick auf die SPD: "Der Steinmeier-Effekt ist ausgeblieben."

Ganz falsch ist das nicht. Aber richtig ist eben auch: Die CSU hat den größten Verlust zu verkraften, den je eine Partei bei einer Landtagswahl in Deutschland hinnehmen musste. Und vor allem: Der Nimbus der angeblich unkaputtbaren bayerischen Staatspartei ist perdu!

Der fahle Teint von Angela Merkels Statthalter in der CDU ist auch mit Blick auf den eigenen Laden passend. Die große braucht die kleine Schwester zur Mehrheit im Bund. Die erstarkte FDP ist für schwarz-gelb im Bund, stimmt. Die freien Wähler kandidieren nicht zur Bundestagswahl, sagt Pofalla. Auch richtig. Aber dass deren Wähler dann zur Union wechseln - so ganz sicher scheint der CDU-Manager nicht zu sein.

"Für 'ne Koalition mit der FDP wird's wohl reichen!" In der CDU-Spitze hatte schon am frühen Sonntag Abend der Galgenhumor geblüht. Nicht dass sie nicht vorbereitet gewesen wären. Kaum einer war so optimistisch wie Philipp Missfelder. Der Chef der Jungen Union gibt zu, eine Wette verloren zu haben: "Ich hab auf 53 Prozent getippt."

Schließlich bekommen die Parteien auch noch Umfragedaten in der letzten Woche vor einer Wahl, wenn die Institute sie nicht mehr veröffentlichen. Bei allen ein Trend: CSU bröckelt weiter. Nun ist zu hören, dass die Meinungsforscher nicht glauben mochten, was sie maßen, und ihre Werte so positiv wie möglich interpretierten.

Aber jetzt gibt es nichts mehr zu beschönigen, auch wenn die rheinische Mitarbeiterin eines CDU-Abgeordneten noch bis kurz vor der ersten Fernsehprognose am heimischen Motto fest hält: "Et hätt' noch immer jot jejange". Ein kurzes Mal brandet schütterer Beifall im Adenauerhaus auf - bei der Mitteilung das die Linkspartei es nicht in den bayerischen Landtag geschafft hat. Mehr Grund zum Klatschen gibt's wirklich nicht.

Michael Fuchs ist außer Missfelder und dem Generalsekretär der einzige prominentere CDU-Politiker, der sich in die Parteizentrale getraut hat. Ob Merkel den Bayern den Wunsch nach Rückkehr zur Pendlerpauschale hätte erfüllen sollen, wollen die Journalisten vom Mittelstandsexperten der Unionsfraktion wissen. Da sind sie an den Falschen geraten. Die habe er stets für falsch gehalten, "aus ordnungspolitischen Gründen".

Dennoch sieht der CDU-Mann auch Gründe bei der eigenen Partei für das Debakel der Schwester: Man habe die Leistungsträger, die eigene Kernwählerschaft nicht genug entlastet, gibt er zu Protokoll. Das ist die Debatte, die der Kanzlerinnen-Partei blüht in den nächsten Tagen und Wochen: Nicht die K-Frage, aber die P-Frage - die Frage nach dem eigenen Profil der Union in der großen Koalition.

Darüber spricht auch Angela Merkel an diesem Abend. Am Telefon von ihrer Berliner Wohnung aus. Klar, dass sie auch Huber, Beckstein und wer weiß wen am Ohr hat. Seehofer vielleicht oder Stoiber. Nie wird sie darüber plaudern. Schließlich darf sich die CDU-Chefin nicht bei Einflussnahme in die inneren Angelegenheiten der CSU erwischen lassen.

Eine Sorge scheint ihr an diesem Abend aber genommen: Die um die Mehrheit von Horst Köhler. Die CSU hat zwar verloren. Aber die FDP ist sowieso für ihn. Auch die Freien Wähler werden wohl in der Bundesversammlung für Köhler stimmen. Mindestens soweit hält wohl Pofallas Hoffnungs aufs bürgerliche Lager.

Autor:  THOMAS KRÖTER
Datum:  29 | 9 | 2008
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