Tokio. Das Ausland erhöht den Druck auf Japans neue Regierung, die Entführung von Kindern aus internationalen Ehen nach Japan nicht länger zu dulden. Die Botschafter von acht Ländern, darunter die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien, haben sich bei Außenminister Katsuya Okada dafür eingesetzt, dass Japan als letzte G7-Nation das knapp 30 Jahre alte Haager Übereinkommen zu Kindesentführungen unterzeichnet.
Nach Angaben von Befürwortern dieser Regelung geht es um Tausende Kinder, die ihren ausländischen Elternteil seit der Entführung nicht mehr sehen durften. Allein in den USA sind über 100 Fälle bekannt.
Diplomaten äußerten sich besorgt darüber, dass die Zahl der Kinder, die von ihrem japanischen Elternteil entführt würden, zunehme. "Zurzeit haben die zurückgelassenen Elternteile nur wenig Hoffnung, dass ihre Kinder zu ihnen zurückkehren", kritisierten sie. Auch die deutsche Botschaft in Tokio unterstützt das Anliegen. Man habe sich der Gruppe aber nicht angeschlossen, weil nur zwei Deutsche betroffen und ihre Fälle nicht gerichtsanhängig seien, hieß es in diplomatischen Kreisen.
Die Entführungspraxis war im September durch den US-Amerikaner Christopher Savoie in die Schlagzeilen geraten. Seine japanische Ex-Frau Noriko hatte die beiden gemeinsamen Kinder mit gerichtlicher Erlaubnis für einen Urlaub nach Japan mitgenommen, war danach aber nicht mehr in die USA zurückgekehrt. Savoie machte seine Ex-Frau in Süd-Japan ausfindig, schnappte sich die siebenjährige Tochter Rebecca und den neunjährigen Isaac auf dem Schulweg und flüchtete mit ihnen zum US-Konsulat in Fukuoka. Doch auf der Fahrt dorthin nahm die Polizei Savoie fest. Nach zwei Monaten in Untersuchungshaft wurde er abgeschoben - ohne seine Kinder.
Ausländische Anwälte stehen in solchen Fällen vor der Herausforderung, dass es in Japan kein geteiltes Sorgerecht gibt. Die Vorstellung, dass der Elternteil ohne Sorgerecht ein Besuchs- und Mitspracherecht hat, sei japanischen Gerichten fremd, erklärte Jeremy Morley, der Anwalt von Savoie. "Hier prallen zwei Kulturen aufeinander." Selbst beim Tod der Mutter wird das Sorgerecht in der Regel eher einem anderen Familienangehörigen als dem geschiedenen ausländischen Ex-Mann zugesprochen. Aber auch japanischen Vätern dürfen die Mütter den Kontakt zum Kind praktisch ungestraft verweigern. Wegen dieser Praxis ist Japan der Haager Konvention nicht beigetreten.
Doch Premierminister Yukio Hatoyama denkt anders. "Wir wollen geschiedenen Vätern, egal ob Ausländer oder Japaner, das Besuchsrecht für ihre Kinder geben", versprach er im August. "Wir müssen für dieses schwierige Problem eine Lösung finden", bestätigte sein Außenminister Katsuya Okada nach einem Gespräch mit den acht Botschaftern. Im Dezember ließ er im Ministerium eine Arbeitsgruppe einrichten.
Rechtsexperten warnen aber vor falschen Hoffnungen. Die Unterschrift würde nur neue Entführungen betreffen, weil die Haager Konvention nicht rückwirkend angewandt wird. Außerdem gilt das nationale Recht weiter. Selbst wenn die Rückkehr gerichtlich angeordnet sei, würde die Polizei sie nicht durchsetzen, meint etwa Colin Jones, Professor am Doshish-Institut in Kyoto.
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