kalaydo.de Anzeigen

Atomlobby: Sorglos-Paket für die Atomkonzerne

Werden Auflagen für AKW verschärft, muss weniger für erneuerbare Energien gezahlt werden.

Berlin –  

Der Vertrag zwischen Bundesregierung und Atomwirtschaft steht nicht nur wegen der Geheimhaltung unter Beschuss. Umweltverbände und Opposition werfen Kanzleramt und Ministerien auch vor, die finanziellen und ökologischen Interessen des Staates verkauft zu haben.

Diese Warnungen wies Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag zurück. „Die Sicherheit ist nicht Verhandlungsgegenstand“, betonte Seibert. Das Bundesumweltministerium betonte, „selbstverständlich“ werde nichts von den Sicherheitsauflagen zurückgenommen. Im Gegenteil werde die Koalition mit der geplanten Novelle des Atomgesetzes die Sicherheitspflichten verschärfen.

In der Tat dreht sich das umstrittene Abkommen im Kern um finanzielle Fragen. Welche Anforderungen die Regierung etwa an den Schutz der Meiler vor Terrorangriffen stellt, kann sie auch in Zukunft bestimmen. Hier sieht der Vertrag keine Grenzen vor.

Allerdings sichert er Energieversorgern einen materiellen Ausgleich zu, wenn es zu teuer für sie wird. Übersteigen die Aufwendungen 500 Millionen Euro in einem AKW, sinkt die Abgabe, die sie in einen Topf zur Förderung erneuerbarer Energien zahlen müssen. Gedeckelt wird somit die finanzielle Beteiligung der Atomwirtschaft.

Dass die Nachrüstungen teurer werden, ist nach Berechnungen des Umweltministeriums zu erwarten. Norbert Röttgens Haus hatte zur Ausarbeitung der Energieszenarien eine Liste vorgelegt, wie teuer die Sicherheitsnachrüstungen die Atomkonzerne kommen – nach Laufzeitverlängerung gestaffelt. Daraus geht hervor, dass die Nachrüstkosten bei insgesamt 20,3 Milliarden Euro liegen, wenn die Laufzeiten um zwölf Jahre verlängert werden.

Die nun vereinbarte Kostengrenze für die 17 Atommeiler von jeweils 500 Millionen Euro summiert sich dagegen nur auf 8,5 Milliarden Euro. Der Inhalt des Fonds für Erneuerbare würde also um knapp zwölf Milliarden Euro geschmälert werden – und damit bis Anfang des kommenden Jahrzehnts leer bleiben.

Eine Reihe von Kostengrenzen

Darüber hinaus sieht der Vertrag eine ganze Reihe von Kostengrenzen für die Strombranche vor. Die Abgabe für die neuen Ökoenergie-Fonds mindert sich auch, wenn die Politik die zugesagte Laufzeitverlängerung wieder einschränken sollte, wenn sie den Brennelementesteuer-Tarif anhebt oder andere Belastungen einführt. So gesehen geraten die Sicherheit der Atomkraftwerke und der Ausbau der erneuerbaren Energien in einen Interessenkonflikt: Jedes Mal, wenn eine Regierung die Auflagen für die AKW-Betreiber verschärft, gibt es weniger Geld für den Ausbau alternativer Quellen.

Die schwarz-gelbe Regierung reklamiert für sich, im Gegenzug für den Staat wichtige Zugeständnisse herausgeholt zu haben. So erklärten sich die Stromkonzerne zu einer Vorausleistung bereit. Eigentlich müssen sie die Öko-Abgabe erst 2017 entrichten, wenn die auf sechs Jahre angelegte Brennelementesteuer ausläuft.

Doch sie sicherten zu, schon 2011 und 2012 je 300 Millionen und 2013 bis 2016 je 200 Millionen zu zahlen. Diese Summen können sie mit ihren späteren Verpflichtungen verrechnen. Die erneuerbaren Energien erhielten so rasch einen neuen Impuls, verteidigt die Regierung das Konstrukt.

Autor:  Markus Sievers und Jakob Schlandt
Datum:  10 | 9 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Zeitgeschichte

Deutschland 20 Jahre nach der Wiedervereinigung: Die FR beschreibt das Land anhand der Lebensgeschichten ihrer Einwohner.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!