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17. Juni 2011

Soziale Netzwerke: Burschenschafter suchen rechten Nachwuchs

 Von Felix Helbig
Mitglieder der Burschenschaft Teutonia (Archivbild von 2003). Foto: dpa/dpaweb

Ein internes Papier der erzrechten „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“, das der Frankfurter Rundschau vorliegt, zeigt, wie Schüler bei StudiVZ und Facebook angesprochen werden sollen.

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Jede Personalberatungsfirma macht das so. Sie fahndet nach geeigneten Kandidaten für vakante Positionen und spricht sie dann gezielt an. Die „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ hat sich das genau angesehen, schließlich hat sie ein vergleichbares Problem: „Viele potenzielle Burschenschafter wissen nicht, dass ihr Platz in der Deutschen Burschenschaft ist.“

Nun ist es mit den erzrechten Raczeks zu Bonn so, dass sie vor dem Verbindungstreffen der Burschenschaften in Eisenach mit ihrem Ruf nach verschärften Aufnahmeregeln für viel Aufregung gesorgt haben – einerseits. Andererseits haben sie kürzlich einen Leitfaden zur „Keilarbeit“ erstellt, so nennen Burschenschafter die aktive Werbung des Nachwuchses. Genauer: des rechten Nachwuchses.

Das intern publizierte Papier, das der Frankfurter Rundschau vorliegt, geht vor allem auf die Möglichkeiten der Ansprache von Kandidaten in Sozialnetzwerken wie StudiVZ und Facebook ein. Ein Großteil der Studenten gebe dort viel über die eigene Person preis, heißt es darin, diese Tatsache – „mag sie auch aus Datenschutzgesichtspunkten kritisch zu bewerten sein“ – könne sich bei der Suche potenzieller „Keilgäste“ als sehr nützlich erweisen.

So könne man etwa Hochschulen gezielt nach Studenten der „gewünschten politischen Richtung“ absuchen, in Erstsemestergruppen für die eigene Verbindung werben oder solche Gruppen gegebenenfalls wenige Woche vor Semesterbeginn einfach selbst gründen.

„Unverbindliche Einladung auf ein Bier“

Die gewünschte politische Richtung der Raczeks ist offenkundig, sie erwarten nur „dem deutschen Volk“ zugehörige Mitglieder in Studentenverbindungen, wozu sie Menschen mit „nichteuropäischer Gesichts- und Körpermorphologie“ nicht zählen. Die Bonner Gruppe gilt Beobachtern als Ausdruck eines neuen Rechtsrucks in Teilen der Deutschen Burschenschaft, die insgesamt knapp 10.000 Mitglieder zählt. In Eisenach führt das gerade zum Streit innerhalb des Verbands, selbst vielen Konservativen geht das zu weit.

Die Raczeks aber gehen noch weiter. Wer „Stellen mit seltenen Eigenschaften“ besetzen wolle, ganz wie die Personalberatungsfirmen also, der könne sich nicht allein auf Studenten beschränken. Aufgrund der neuen Studiengänge habe sich die Verweildauer an den Universitäten deutlich verkürzt, die aktiven Burschenschaften sollten deshalb ihr Augenmerk auf diejenigen Studenten richten, die in der Burschenschaft noch möglichst viele Aktivsemester einbringen können, heißt es im Leitfaden. „Es ist daher sinnvoll, Schüler, die vor ihrem Abitur stehen, bereits an die Burschenschaft heranzuführen, so dass ihre Aktivzeit bereits mit dem ersten Tag an der Uni beginnt.“ Geeignet sei dafür etwa das Netzwerk SchülerVZ, wobei zur Anmeldung eine Einladung durch ein registriertes Mitglied erforderlich sei. Dafür, heißt es, möge man sich doch einfach an den Autor des Leitfadens wenden.

Und noch einen wichtigen Hinweis hat der Autor für alle Burschenschaftspersonalberater: den persönlichen Kontakt. Kandidaten folgten eher nicht einer förmlichen Anfrage für ein „Vorstellungsgespräch zum Eintritt in einen Lebensbund“. Deutlich sinnvoller sei eine „unverbindliche Einladung auf ein Bier“. Die werde für gewöhnlich eher befolgt.

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