Mit täglich neuen Funktionen sammeln Facebook und Co. die Daten ihrer Nutzer - und von deren Freunden. Die Datenschützer fordern Nachbesserungen, doch der Opposition geht das nicht weit genug. Sie sieht die Regierung in der Pflicht.
Facebook bereitet Datenschützern weiter Kopfzerbrechen.
Facebook bereitet Datenschützern weiter Kopfzerbrechen.
Angesichts der Debatte über Datenschutzverstöße von Facebook, Google und Co. hat der grüne Netzpolitiker Konstantin von Notz eine grundlegende Reform des Bundesdatenschutzgesetzes gefordert. "Wir brauchen eine grundsätzliche rechtliche Klarstellung, die über einzelne Funktionen in sozialen Netzwerken hinausgeht", fordert der Bundestagsabgeordnete. Das Thema sei seitens der Regierung "sträflich vernachlässigt" worden - mit dem Ergebnis, dass alle paar Monate ein neuer Datenschutzskandal die Öffentlichkeit erschüttere.
Von Notz sieht hier Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner in der Pflicht. "Frau Aigner muss sich um diese Problematik kümmern, statt selbst aus Facebook auszutreten und die Arbeit den Datenschutzbeauftragten zu überlassen." Die globalen Konzerne richteten sich mit ihrem Angebot gezielt an deutsche Verbraucher. Wenn eine europäische Lösung kurzfristig nicht zu erreichen sei, müsste der deutsche Gesetzgeber eben ran, so der Grüne. Dabei gehe es vor allem darum durchzusetzen, dass die Menschen die Wahl haben, welche Daten sie freigeben.
Umstrittene Fotoerkennung
Umstritten sind vor allem die Funktionen in sozialen Netzwerken, die es den Unternehmen erlauben, Daten abzugreifen und zu speichern, ohne dass die Betroffenen dazu explizit ihr Einverständnis gegeben haben. Dabei geht es zum Beispiel um die Möglichkeit, unbeteiligte Dritte namentlich in das Netzwerk aufzunehmen, etwa durch das Hochladen von Adressbüchern oder Fotos. Datenschützer kritisieren zudem die Gesichtserkennung, die Facebook für seine Fotoverwaltung eingeführt hat. Seitdem werden Namen zu Gesichtern von „Freunden“ vorgeschlagen, wenn man deren Bilder auf die Facebook-Seiten lädt. Faceboook selbst spricht von „Fotomarkierungen“. Wer die Erfassung seiner Bilddaten verhindern will, muss die Funktion bei Facebook extra abstellen. Die Datenschutzbeauftragten von Hamburg und Schleswig-Holstein hatten Facebook aufgefordert, diese Funktion abzustellen.
Zu diesem Thema hat sich inzwischen auch Ministerin Aigner (CSU) geäußert. „Ich begrüße es, dass die zuständigen Datenschutzbehörden offensichtliche Rechtsverstöße nicht auf sich beruhen lassen und konsequent einschreiten“, sagte Aigner der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Dienstag. Sie teile die Auffassung des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar, dass hier eine vorherige Einwilligung eingeholt werden müsse. Den deutschen Gesetzgeber sieht Aigner dennoch nicht gefragt. Sie setzt weiterhin auf eine europaweite Lösung.
So schützen Sie Kinder auf Facebook & Co.
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So schützen Sie Kinder auf Facebook & Co.
Soziale Netzwerke für Jugendliche
Portale wie SchülerVZ oder Knuddels richten sich gezielt an die junge Zielgruppe. Bei den Eltern werben die Betreiber damit, dass sie die Online-Umgebung besonders kinderfreundlich gestalten - etwa durch restriktive Privatsphäre-Einstellungen.
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Soziale Netzwerke für Erwachsene (1/3)
Doch auch in den Erwachsenen-Netzwerken wie Facebook und Wer-kennt-wen tummeln sich immer mehr Youngsters. Gerade Facebook erscheint attraktiv, da es im Vergleich zum SchülerVZ international ist. Viele Stars sind dort und die Kinder möchten sich mit ihnen „anfreunden“.
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Soziale Netzwerke für Erwachsene (2/3)
Offiziell verwehrt der Marktführer Kindern den Zugang. In den Nutzungsbedingungen heißt es: „Wenn du jünger als 13 Jahre bist, versuche bitte nicht, dich für Facebook zu registrieren oder uns personenbezogene Daten über dich zur Verfügung zu stellen.“ Doch die Altersbeschränkung lässt sich bei der Anmeldung einfach umgehen. Es reicht, ein falsches Geburtsdatum anzugeben - und schon ist ein Nutzerprofil erstellt.
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Soziale Netzwerke für Erwachsene (3/3)
Obwohl Kinder laut der AGBs von Facebook oder Wer-kennt-wen nicht zugelassen sind, sind sie trotzdem „drin“. Eltern wissen oft nicht, dass ihr Kind auf einer Freundschaftsplattform angemeldet ist. Dabei sollten besonders junge Kinder grundsätzlich in Online-Netzwerken begleitet werden.
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Gefahren im Netz (1/3)
Unter den virtuell verbundenen Freunden herrscht längst nicht immer eitel Sonnenschein. Ein großes Problem ist Cybermobbing. Das fängt bei Beleidigungen an...
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Gefahren im Netz (2/3)
... und geht bis zu ganzen Hass-Profilen oder Gruppen, die eine einzelne Person diffamieren. Oft schwiegen betroffenen Kinder, Eltern oder Lehrer werden erst gar nicht auf solche Fälle aufmerksam.
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Gefahren im Netz (3/3)
Zudem fallen die unbedarften Youngsters schnell auf Abzock-Angebote herein oder können Werbung nicht von anderen Inhalten unterscheiden.
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Privatsphäre-Einstellungen beachten (1/3)
Experten machen die Erfahrung, dass Kinder mit den „Wer-sieht-was-Optionen“ überfordert sind. Die Einstellungen sind oft schwer zu finden. Das bestätigt eine europaweite Umfrage der Europäischen Kommission. Nur jeder Zweite der befragten 11- bis 16-Jährigen wusste nach eigenen Angaben, wie er die Privatsphäre-Einstellungen von Profilen in sozialen Netzwerken verändern kann. In der Realität könnten es noch weniger sein.
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Privatsphäre-Einstellungen beachten (2/3)
Facebook beschränkt zwar den Zugang zu Profilen von Minderjährigen: Ihre Profile und Beiträge sind nicht öffentlich im Netz zu finden und können nur von bestimmten Nutzergruppen wie den eigenen Freunden gelesen werden.
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Privatsphäre-Einstellungen beachten (3/3)
Ihre Facebook-Freunde aber können sich auch Kinder selbst aussuchen und etwa Unbekannten das Mitlesen erlauben. In Netzwerken können auch moralisch fragwürdige Personen Kontakt zu Kindern aufnehmen und extremistische, pornografische oder gewaltvolle Inhalte verbreiten.
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Kinder auf soziale Netzwerke vorbereiten
Ein Verbot hilft aber kaum weiter, darin sind sich die Expertinnen einig. Eltern sollten die Angebote nicht per se als schlecht einstufen und sie ihren Kindern verbieten, sondern sich über Gefahren und Schutzmöglichkeiten informieren. Gut ist auch, das Profil auf Facebook gemeinsam anzulegen und einzustellen.
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Hilfe für Eltern (2/2)
Dort wird auch auf Alternativen zu Erwachsenen-Netzwerken verwiesen, etwa kindgerechte Chatrooms oder Instant Messenger.
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Laut der aktuellen Kinder- und Medien-Studie ist fast die Hälfte der Kinder bis 13 Jahren in mindestens einem Online-Netzwerk aktiv. Eltern sollten ihre Kinder daher auf mögliche Gefahren vorbereiten.
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Fotostrecken Politik
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Linkspartei in der Krise
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Praktische Einsteiger-Tipps für Facebook
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Praktische Einsteiger-Tipps für Facebook
Statusmeldung
Der Kasten mit der Frage „Was machst Du gerade?“ animiert ständig dazu, neue Statusmeldungen abzusetzen. Fotos und Videos sind im Nu hochgeladen.
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Gefällt mir
Und wer irgendwo im Internet den "Gefällt mir"-Button mit dem nach oben gestreckten Daumen klickt, befördert direkt einen Link in sein Profil. „Facebook ist ein Kommunikationsmittel. Dort kann man ganz leicht Sachen weitersagen“, erklärt Facebook-Expertin Annette Schwindt.
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Aktuelles auf der Pinnwand
Zentrales Element ist der „Live Stream“ auf der Startseite - eine Art persönlicher Nachrichtenticker. Dort ist nicht nur zu sehen, wenn Freunde das aktuelle Fußballspiel kommentieren oder Urlaubsfotos hochladen. Wer sich mit einem Klick als Fan von Medien oder Marken, Bands oder Schauspielern bekennt, bekommt von ihnen Info-Häppchen vorgesetzt. Was nicht gefällt, wird mit einem Klick aufs „X“ wieder vom Menü verbannt.
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Freunde sortieren
Mit Weggefährten von früher und heute kommen schnell 100 oder 200 Facebook-Freunde zusammen - sehr unübersichtlich. Wer für Ordnung sorgen will, legt am besten Listen an (im Menü unter „Konto/Freunde bearbeiten“). Darüber lässt sich steuern, wer welche Inhalte sehen kann.
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Meldungen sortieren
Zudem hilft diese noch wenig genutzte Funktion, die Informationsflut zu kanalisieren. Über „Neueste Meldungen“ können Nutzer die Nachrichten einer bestimmten Liste auswählen. Und mit einem Trick lassen sich auch Fanseiten auf Listen setzen. So entstehen Ticker der Marke Eigenbau.
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Nachrichten organisieren
as Unternehmen beschränkt sich nicht mehr auf die Kommunikation im eigenen Netzwerk: Es hat seine Plattform zu einer Zentrale für die digitale Kommunikation ausgebaut. Nutzer können E-Mail, SMS und Chat in einem Postfach bündeln und erhalten dafür auf Wunsch eine eigene Mail-Adresse mit der Endung „@facebook.com“. So kommt auch die Post vom Netzwerk-Abstinenzler an.
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Programme und Spiele
Geöffnet hat sich Facebook auch gegenüber Software-Entwicklern: Sie können im Online-Netzwerk eigene Programme anbieten. Beliebt sind vor allem Spiele: Simulationen wie „Farmville“ und Quizspiele haben Millionen von Fans. So nützlich oder witzig das ist, Experten raten zur Vorsicht. Denn die Anwendungen verlangen meist den Zugriff auf die privaten Daten.
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Datenschutz (1/5)
Die Mitteilungsmaschine verarbeitet viel Persönliches. Da ist Datenschutz wichtig - zumal das Online-Netzwerk wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten einige Male Negativschlagzeilen gemacht hat.
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Datenschutz (2/5)
Das Unternehmen betont, keine Daten an andere zu verkaufen. Neugierig ist es trotzdem: Neulingen wird etwa angeboten, die E-Mail-Konten nach Freunden zu durchforsten. Die Adressen nutzt es, um Nicht-Mitglieder per Mail einzuladen - ein umstrittenes Vorgehen.
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Datenschutz (3/5)
Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar empfiehlt, dabei nicht versehentlich berufliche Kontakte preiszugeben. Zudem sollte ein beruflich genutztes iPhone nicht mit Facebook synchronisiert werden, damit beispielsweise ein Arzt nicht versehentlich Einblick in den Kreis seiner Patienten gewährt.
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Datenschutz (4/5)
Auch die eigenen Kontakte sollen vielleicht nicht alles mitbekommen. Datenschützer empfehlen daher, sich genau mit den Einstellungen auseinanderzusetzen und die Sichtbarkeit des Profils zu beschränken. Die von Facebook vorgeschlagene Option, dass „Freunde von Freunden“ etwas sehen dürften, sei Augenwischerei. Schnell hätten mehr als 10.000 Menschen Zugriff.
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Datenschutz (5/5)
„Wer nicht von jedermann gefunden werden möchte, kann sein Profil unter einem Pseudonym anlegen“, rät Caspar besonders Vorsichtigen - auch wenn Facebook das ablehne und in seltenen Fällen Nutzerkonten mit falschem Namen sperre. Generell warnt der Datenschützer, dass auch in der „überschaubaren und scheinbar abgeschlossenen Welt“ des sozialen Netzwerks Privates öffentlich werde.
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Umfragen und Einchecken
Die Entwickler von Facebook schrauben permanent im Maschinenraum der Plattform herum. Das beschert den Nutzern viele neue Funktionen, etwa Umfragen unter Freunden oder das Einchecken an Orten mit mobilen Geräten. Doch das hohe Innovationstempo irritiert manchen. Selbst viele Hardcore-Nutzer kennen nicht alle Funktionen.
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Weitere Informationen (1/2)
Gerade wenn es um die Privatsphäre geht, kann ein unbedarftes Herumklicken peinliche Folgen haben. Schwindt rät daher, sich mit der Technik auseinanderzusetzen und Fachblogs wie facebookbiz.de oder allfacebook.de zu lesen.
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Weitere Informationen (2/2)
Das Unternehmen selbst informiert auf eigenen Seiten zum Beispiel über Datenschutz und Sicherheit. Außerdem verweist es auf den Hilfebereich - er werde ständig verbessert, betont eine Sprecherin. Wer sich einliest, versteht die vielen Knöpfe der Weitersag-Maschine besser.
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Facebook wächst und wächst. Mittlerweile hat das soziale Netzwerk über 20 Millionen Nutzer in Deutschland. Wer noch nicht dabei ist, sollte sich von den vielen Funktionen nicht abschrecken lassen. Wir zeigen Neu-Einsteigern, wie Facebook funktioniert.
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Fotostrecken Politik
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Linkspartei in der Krise
Fotostrecken Politik
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"Die Politik muss dafür sorgen, dass die zuständigen Aufsichtsbehörden das richtige Werkzeug in die Hand bekommen, sich bei den Datensammlern unserer Zeit Respekt zu verschaffen", fordert Uli König, Spitzenkandidat der Piratenpartei in Schleswig-Holstein. Dann werde sich das Verhalten der entsprechenden Dienste auch sehr schnell ändern. "Die bestehenden Gesetze sind nicht so schlecht", findet der Informatiker. Das Problem sei vielmehr, dass diese meistens ignoriert würden. "Soziale Netzwerke sind sehr international", so König weiter. Das bringe für die Nutzer das Problem mit sich, dass sie ihre Rechte nicht wirksam durchsetzen könnten.
Neue Impulse könnte das Problem heute in Berlin bekommen. Dort tagt der Bundestagsausschuss Neue Medien. Dann sollen die Datenschutzbeauftragten von Facebook Europa und Google Deutschland sowie der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und sein Kollege aus Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, den Abgeordneten Rede und Antwort stehen.