Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flucht und Zuwanderung | USA nach der Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

02. November 2013

Spanien Flüchtlinge: Natodraht gegen Afrikaner

 Von 
Die Spanier rüsten ihre Grenzen mit Natostacheldraht auf, um afrikanische Flüchtlinge am Überklettern zu hindern.  Foto: imago stock&people

Mit sechs Meter hohen Zäunen und Nato-Stacheldraht wehrt Spanien rabiat die Flüchtlinge ab. 2007 war der Natodraht entfernt worden, weil immer mehr Flüchtlinge das Überklettern des Zauns mit dem Leben bezahlten. Dies scheint kein Hinderungsgrund mehr zu sein.

Drucken per Mail

Spanien igelt sich weiter ein. Die Grenzzäune um Melilla, eine von zwei nordafrikanischen Exklaven des Landes, werden in nächster Zeit mit Natodraht bewehrt, einem modernen Stacheldraht mit messerscharfen Widerhaken. Auf diese Weise soll das Überklettern sechs Meter hoher Zäune erschwert werden. Die Grenzanlagen waren bereits zwischen 2005 und 2007 mit Natodraht bewehrt. Weil sich etliche Menschen beim Überklettern schwere Verletzungen zuzogen, wurde er wieder entfernt.

Tote und Verletzte

Die 80.000-Einwohner-Stadt Melilla und ihre Schwesterstadt Ceuta sind seit Jahren Anziehungspunkt afrikanischer Migranten. Um die Menschen fernzuhalten, wurden die Grenzanlagen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder erhöht und verstärkt. Im Sommer 2005 überkletterten Hunderte Schwarzafrikaner den damals drei Meter hohen Zaun von Melilla mit selbst gebauten Leitern, wobei es Tote und Verletzte gab – unter anderem wegen des kurz zuvor aufgezogenen Natodrahts. Der damalige spanische Ombudsmann beklagte in seinem Jahresbericht „das ernsthafte Risiko für das Leben und die Gesundheit“ der Menschen, die den Sprung über den Zaun wagten.

In der Folge wurden die Grenzanlagen für 30 Millionen Euro mit elektronischen Überwachungsanlagen ausgestattet und die Zäune auf sechs Meter erhöht. Der Natodraht verschwand. Einige Jahre lang blieb es ruhig an der Grenze. Doch seit vergangenem Jahr tun sich wieder alle paar Wochen etliche Hundert Migranten zusammen, die in den marokkanischen Wäldern rund um Melilla auf eine Gelegenheit warten, und wagen den Ansturm. Zuletzt am 17. September dieses Jahres. Eine Sicherheitskamera filmte ihr Unternehmen. Die Bilder waren so beeindruckend, dass sie den spanischen Regisseur David Trueba an Szenen aus dem Hollywood-Zombiefilm „World War Z“ erinnerten. „Verzweifelte Sprünge, im Draht verhakte Körper, der wilde Wettlauf, wenn sie einmal spanischen Boden betreten haben – dieses Video ist weitaus überwältigender als alle Horrorfilme“, schrieb Trueba.

„Dunkle Festungstradition“

Rund 3000 Menschen haben in diesem Jahr bislang versucht, die Grenzanlagen von Melilla und Ceuta zu überwinden, fast doppelt so viele wie in den ersten neun Monaten des vorigen Jahres. Nun soll sie der Natodraht abschrecken. „Eine erstaunliche Rückkehr zu den Ursprüngen der dunklen Festungstradition“, schreibt Xavier Ferrer, Grenzexperte der Universitat Autònoma in Barcelona, in seinem Blog. „Auch wenn sie 10.000 bewaffnete Soldaten aufstellen“, zitiert die Netzzeitung eldiario.es einen jungen Mann aus Mali, der den Sprung nach Melilla vor kurzem geschafft hat, „sie werden uns nicht aufhalten“.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Leitartikel

Angriff auf den Wohlstand

Von  |
BMW-Produktion in Dingolfing (Bayern).

Mit ihrer Abschottungspolitik gefährden Theresa May und Donald Trump die internationale Kooperation und den wirtschaftlichen Erfolg hiesiger Firmen. Mehr...

Donald Trump

Jenseits jeglicher Moral

Donald Trump stellt sich über das Gesetz.

Für Donald Trump steht der US-Präsident über dem Gesetz. Das ist falsch. Diese Haltung könnte sich für den Multimilliardär in seinem künftigen Amt rächen. Der Leitartikel.  Mehr...

 

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung