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01. Februar 2015

Spanien: Linkspartei Podemos füllt die Straßen

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Marschieren für Veränderung: Die Anhänger der spanischen Linkspartei Podemos füllen die Straßen von Madrid.  Foto: AFP

150.000 Menschen zeigen in Spaniens Hauptstadt, was sie von der Sparpolitik halten. Auch die neue Linkspartei Podemos will einen Politik-Wechsel. Sie gibt sich siegesgewiss - denn immer mehr Spanier haben das Vertrauen in die Politiker verloren.

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Madrid –  

„Wer hat gesagt, dass eine Regierung die Dinge nicht ändern kann?“, fragt Pablo Iglesias rhetorisch in die Menge. Griechenland mache es gerade vor. „Gratisstrom für 300 000 Familien, Stopp des Privatisierungsprozesses, Rückkehr zur Gesundheitsversorgung für alle Bürger, Anerkennung der griechischen Nationalität für alle Kinder unabhängig von ihrer Hautfarbe“, zählt der Podemos-Chef auf. „Vielleicht ist es Merkel, die isoliert dastehen wird. Ihre Abgesandten Samaras und Rajoy haben verloren.“ Die Menge jubelt. Um solche Sätze zu hören, sind die Menschen heute hier.

Podemos („Wir können“) ist ein politisches Experiment, gegründet vor einem Jahr von einer Gruppe von Madrider Universitätsangehörigen um den heute 36-jährigen Politikprofessor Pablo Iglesias, als Antwort auf eine wirtschaftliche Krise, die zu einer politischen wurde.

Pablo Iglesias, Führer der spanischen Linkspartei Podemos.  Foto: Reuters

Immer mehr Spanier haben das Vertrauen in ihre Politiker verloren, in die regierende konservative Volkspartei von Mariano Rajoy ebenso wie in die Sozialisten, die davor an der Macht waren. Podemos verstand es, die Enttäuschung über das Alte in Begeisterung für das Neue zu verwandeln. Ihre zentrale Botschaft: Vertreiben wir die herrschende „Kaste“, bringen wir „die Leute“ an die Macht! Am Samstag brachte die Partei rund 150 000 Menschen zum „Marsch für den Wandel“ auf die Straßen von Madrid.

Bemerkenswert ist die Siegesgewissheit der neuen Linkspartei. Glauben sie wirklich, nach den im Herbst anstehenden Parlamentswahlen die Regierung in Spanien übernehmen zu können? „Selbstverständlich“, antwortet die Soziologin Carolina Bescansa, eine Führungsfigur von Podemos, am Rande der Demonstration. „Wir sind entstanden, um zu regieren, wir sind nicht entstanden, um Beiwerk zu sein.“ Ihren ersten Überraschungserfolg landete die Partei bei den Europawahlen im vergangenen Mai, bei der sie aus dem Stand acht Prozent der Stimmen bekam. Seitdem ist sie in den Umfragen immer gewachsen und steht zurzeit ungefähr gleichauf mit der Volkspartei und den Sozialisten.

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Inés López und Andrés Ibáñez teilen den Optimismus der Parteiführung. Ja, Podemos kann es schaffen, glaubt das Ehepaar, das aus dem katalanischen Tarragona zur Demonstration nach Madrid gereist ist. „Wir sind gekommen, weil Spanien in einer ziemlich kritischen Situation steckt“, sagt die 56-jährige López. „Wir haben genug vom herrschenden Zweiparteiensystem. Wir glauben, dass es gut ist zu versuchen, die Dinge zu ändern.“ Wie genau, was genau, das kann das Paar nicht benennen. Aber sie empfinden die Dringlichkeit eines Wandels. „Es ist das selbe Gefühl, wie ich es 1975 erlebt habe, nach dem Tod Francos“, erklärt der 58-jährige Ibáñez. „Der Unterschied zu damals ist, dass es heute keine Gewalt gibt, keine schießenden Polizisten.“

Aufgeweckt: Podemos macht den Spaniern Mut.  Foto: afp

Der Protest, den Podemos kanalisiert, ist ein zivilisierter, friedlicher, bürgerlicher Protest. Die soziale Explosion, die viele während der Wirtschaftskrise erwarteten, hat nicht stattgefunden. Der Wandel soll durch Wahlen eingeleitet werden. Denn wer hat gesagt, dass eine Regierung die Dinge nicht ändern kann?

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