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23. Januar 2013

SPD: Gabriel macht Wahlkampf von unten

 Von Karl Doemens
SPD-Chef Sigmar Gabriel will sich jetzt stärker in die Wahlkampagne einbringen. Foto: dpa/Stephanie Pilick

Nach der gewonnenen Niedersachsenwahl propagiert SPD-Chef Gabriel die neue Strategie seiner Partei. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück macht sich derweil weitegehend unsichtbar.

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Nicht immer sind Pressegespräche mit Sigmar Gabriel ein Vergnügen. Wenn sich der impulsive SPD-Chef richtig geärgert hat, dann koffert er gerne mal einen Teilnehmer an. Zwei Tage nach der entgegen mancher vorschnellen Kommentierung gewonnenen Niedersachsen-Wahl wäre dazu eigentlich eine gute Gelegenheit. Doch an diesem Morgen hält sich Gabriel mit pauschaler Medienschelte zurück. Freundlich und äußerst aufgeräumt beantwortet er 75 Minuten lang alle Fragen. „Wenn ich Ihnen das mal sagen darf: Uns geht es hier ziemlich gut“, lächelt er in die Runde.

Atempause für die Sozis

Kein Wunder. Man muss kein Prophet sein, um sich auszumalen, was nach einem Wahldebakel bei den Genossen los gewesen wäre. Die Debatte über den glücklosen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück wäre endgültig aus dem Ruder gelaufen. Nun gibt es eine Atempause und damit die Gelegenheit, ein paar Dinge neu zu justieren.

Gabriel wäre nicht Gabriel, wenn er diese Chance nicht persönlich ergreifen würde. Während Steinbrück seit seinem Eingeständnis einer „gewissen Mitverantwortung“ für das SPD-Umfragetief am Wahlabend quasi an den Bildrand gerückt ist, zeigt der SPD-Chef große Präsenz. Er war es, der dem Wahlgewinner Stephan Weil am Montag auf der Bühne im Willy-Brandt-Haus gratulierte, während Steinbrück stumm an der Seite stand. Und er erklärt nun alleine, welche Lehren man aus den vergangenen Wochen ziehen muss und wie es mit Steinbrücks Kampagne weitergeht.

Um ein paar Patzer habe es viel Bohei in der Öffentlichkeit gegeben, findet Gabriel. Die Niedersachsen-Wahl habe gezeigt, dass es nicht so sehr um Personen gehe. Deshalb müssten nun die Inhalte in den Vordergrund gestellt werden. Steinbrück habe keine silbernen Löffel geklaut und auch nichts Drastisches gesagt. Allerdings sei ihm in der Öffentlichkeit ein Schein-Image angedichtet worden. Nun gehe es darum, die Profilbildung wieder zu korrigieren.

Kleiner Seitenhieb

Das könnte Steinbrück wahrscheinlich unterschreiben. Gleichwohl kann man Gabriels Bemerkung, die SPD dürfe nicht abstrakt aus dem System heraus argumentieren, durchaus als kleinen Seitenhieb gegen die Ausführungen des Kandidaten zum Kanzlergehalt und zum Bonn-Berlin-Gesetz verstehen. Stattdessen propagiert Gabriel nun Wahlkampf von unten aus der Perspektive der Menschen. Von unten – das ist nicht gerade der originäre Politikansatz des Ökonomen Steinbrück. Doch nun soll er „übers Land gehen“ und so Kontakt zur Basis halten. Schließlich kündigt Gabriel an, er wolle mit Steinbrück gemeinsam überlegen, „an welcher Stelle wir welche Akzente setzen“.

Das klingt nicht unbedingt nach einer großen Beinfreiheit des Kandidaten. Unsinn, erwidert Gabriel: „Es gibt kein Einmauern von Steinbrück.“ Und ändern müsse der sich auch nicht. „Das ganze Hobby-Freud-Gequatsche im deutschen Journalismus ist Kokolores“, erregt sich der SPD-Chef denn doch einmal. „Er muss so bleiben, wie er ist.“

Vorerst freilich ist Steinbrück erst einmal weitgehend unsichtbar. Am Wochenende dann will er auf der SPD-Vorstandsklausur in Potsdam reden. Nachher, so heißt es, werde er auch vor die Kameras treten.

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