Nach seiner Nominierung zum SPD-Kanzlerkandidaten will Peer Steinbrück auf Redehonorare verzichten. Steinbrück, der bislang zu den Abgeordneten mit den höchsten Nebeneinkünften im Deutschen Bundestag gehörte, erklärte, er werde keine honorarpflichtigen Vorträge mehr halten. Zugleich versicherte der SPD-Politiker, er habe alle erhaltenen Gelder stets höchst penibel versteuert und nach den Regeln des Bundestags veröffentlicht.
Steinbrück, der zuvor einstimmig vom SPD-Vorstand zum Kanzlerkandidaten gewählt worden war, will auch sein Aufsichtsratsmandat beim Industriekonzern Thyssen-Krupp niederlegen, um mögliche Interessenskonflikte zu vermeiden. Sein Mandat im Aufsichtsrat des Fußballvereins Borussia Dortmund werde er aber behalten, auch wenn ihm die Farben des Vereins (Schwarz-Gelb) nicht sonderlich zusagten.
Da geht's lang: Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zeigt gern Kante. Seine bisherigen politischen Erfolge...
Foto: dpa/dpaweb„Wenn der in einer Art Sturzgeburt zur Welt gekommene Kanzlerkandidat der SPD seinem Land einen Dienst erwiesen will, dann gründet er seinen Wahlkampf nicht auf Parteiparolen oder 'Sie- oder- er'- Dramaturgie. Dann spricht er zur Sache. Sein Programm sollte er mit dem Wort 'Wahrhaftigkeit' überschreiben. Die Wahlkampfstrategen sagen normalerweise: Wir müssen deutlicher sein als die Wirklichkeit. Aber diesmal ist das nicht notwendig. Nichts kann Deutschland jetzt weniger gebrauchen als ein Jahr Dauerwahlkampf. Am liebsten würde man die Kontrahenten bitten, auf den Kreislauf der Idiotie, wo einer den anderen wider besseren Wissens für unfähig und gefühlskalt erklärt, zu verzichten.“ Das "Handelsblatt" aus Düsseldorf am Montag.
Nach den Angaben von Steinbrücks Bundestags-Webseite hat der frühere Finanzminister durch Vorträge seit 2009 weit über eine halbe Million Euro eingenommen. Er selbst wies darauf hin, dass er neben den vergüteten Reden bei Unternehmen, Banken und Versicherungen noch weit mehr unbezahlte Vorträge bei Vereinen oder an Universitäten gehalten habe.
Zum Auftakt seiner Kandidatur kündigte Steinbrück einen harten Kurs gegen die Regierungspolitik von Kanzlerin Angela Merkel an. Das jetzige Kabinett sei eines des schlechtesten, wenn nicht das Schlechteste seit Gründung der Bundesrepublik, erklärte Steinbrück. Er will das Thema Gerechtigkeit in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes stellen.
Peer Steinbrück 1998 als schleswig-holsteinischer Verkehrsminister im Kabinett von Ministerpräsidentin Heide Simonis.
Foto: dpaKorrektur: Steinbrück ist nicht Aufsichtsrat bei Borussia Mönchengladbach, wie in einer früheren Textfassung stand, sondern beim BVB.
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