Schleswig-Holsteins SPD-Chef Stegner fordert eine herausgehobene Stellung Münteferings in der Partei. Die Deutschen hegen große Sympathien für den Ex-Vizekanzler, ermittelt der Deutschlandtrend.
Anfang September 2008 tritt Müntefering in München erstmals wieder in größerem Rahmen auf. Der Jubel ist groß.
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Anfang September 2008 tritt Müntefering in München erstmals wieder in größerem Rahmen auf. Der Jubel ist groß.
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Berlin (ddp/dpa) - Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner hat für den ehemaligen Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) eine herausgehobene Stellung in der Partei gefordert. Die Position eines SPD-Wahlkampfmanagers für die Bundestagswahl 2009 sei zu wenig.
"Ich glaube nicht, dass das die richtige Position für einen ehemaligen Parteivorsitzenden und Vizekanzler ist. Müntefering gehört in eine herausgehobene Stellung, das muss aber kein Amt sein", sagte Stegner der Tageszeitung "Die Welt".
Die Rückkehr des früheren SPD-Vizekanzlers Franz Müntefering auf die politische Bühne wird von fast zwei Dritteln der Deutschen mit Sympathie begleitet. Im aktuellen Deutschlandtrend gaben 62 Prozent der Befragten an, sie seien "sehr zufrieden" mit der Arbeit Münteferings.
Höhere Zufriedenheitswerte erreichten nur Außenminister Frank-Walter Steinmeier (67 Prozent) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, 63 Prozent). Die Ergebnisse beruhten auf der telefonischen Befragung von 1000 Bundesbürgern am Montag und Dienstag dieser Woche.
Franz Müntefering - seine politische Karriere
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Franz Müntefering - seine politische Karriere
Als Müntefering im Oktober 1993 sein Land Nordrhein-Westfalen bei der Konferenz der Arbeits- und Sozialminister vertritt, hat er schon einige Stationen hinter sich: 1969 bis 1979 Stadtrat von Sundern (Hochsauerlandkreis), 1975 bis 1992 Bundestagsabgeordneter, von 1990 bis 1992 zudem parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion.
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Von 1996 bis 1998 bleibt Müntefering einfaches Mitglied im nordrhein-westfälischen Landtag. Zugleich ist er seit 1995 wieder auf Bundesebene aktiv: als Bundesgeschäftsführer. Hier rechts im Bild verabschiedet er den langjährigen Ministerpräsidenten Johannes Rau (Mitte). Mit dabei (von links): Oskar Lafontaine und Wolfgang Clement.
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1998 wird der Sauerländer zum Landesvorsitzenden in Nordrhein-Westfalen gewählt. Diesmal gratulieren Rau und Clement.
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In Berlin greift Müntefering im April 1998 zum Besen, um seine politische Postitionsbestimmung plakativ zu veröffentlichen.
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Mit den Ideen des Herrn rechts im Bild möchte Müntefering jedenfalls nicht viel zu tun haben.
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Den Bundestagwahlkampf 1998 leitet er für die SPD; hier eine Antwort auf die Rote-Socken-Kampagne der Union.
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Die Mühe lohnt sich: Die SPD stellt mit Gerhard Schröder den Bundeskanzler. Oskar Lafontaine (links) und Müntefering (hinten rechts) freuen sich mit ihm.
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Müntefering sitzt nun als Minister im Bundestag - zunächst für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen.
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Nach der Vereidigung: Müntefering samt neuem Kabinett zum Antrittsbesuch bei Bundespräsident Roman Herzog.
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Pressekonferenz im September 1999: Müntefering wird wieder zusätzlich Bundesgeschäftsführer; Ottmar Schreiner hatte dieses Amt zwischenzeitlich für ein Jahr übernommen.
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Kommunalwahlkampf im heimischen Nordrhein-Westfalen: Müntefering, Peiner Priggen (Grüne) und Jürgen Rüttgers (CDU) in der Fernsehdiskussion der Elefanten.
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Nicht alles gelingt Müntefering: Auf dem Düsseldorfer Parteitag im Jahr 2000 scheitern die Pläne für eine Parteireform in Nordrhein-Westfalen.
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Eine weitere unangenehme Sache in Münteferings Karriere: Er muss im Jahr 2002 vor dem Parteispenden-Untersuchungsausschuss aussagen. Es geht um Spenden in Nordrhein-Westfalen.
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Im September 2002 nimmt Müntefering erstmals diese Glocke in die Hand. Es ist die des Vorsitzenden der Bundestagsfraktion. Bis Ende 2005 leitet er die Abgeordnetenrunde.
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Der nächste Schritt auf dem Weg nach oben: Der SPD-Sonderparteitag wählt im März 2004 Müntefering mit 95,1 Prozent der Stimmen zum Nachfolger von Gerhard Schröder als Bundesvorsitzender.
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Die Freude hält nicht lange an: Nach einem Krach im Parteivorstand kündigt Müntefering an, auf dem Parteitag 2005 nicht mehr als Vorsitzender zu kandidieren.
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Viele Mitglieder wollen ihn weiter im Amt sehen, starten eine Internet-Initiative. Es nutzt nichts. Matthias Platzeck wird sein Nachfolger als Parteivorsitzender.
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Doch egal wie die Gesamtwetterlage in der Partei ausfällt - wenn er die Genossen vor Ort unterstützen kann, macht sich Müntefering auf den Weg auch in kleine Städte. Es geht in die Wetterau (März 2001),...
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... ins Bürgerzentrum im hessischen Karben in einer Funktionärskonferenz des Bezirks Hessen-Süd (Februar 2004),...
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Müntefering spricht in der Trauerfeier für den Widerstandskämpfer und SPD-Politiker Rudi Arndt in Frankfurt am Main (Mai 2004)...
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... und singt, wenn's sein muss, auch Wanderlieder - hier mit einer Kleingärtner-Musikgruppe in Mönchengladbach.
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Im Schiff auf der Weser erläutert er, warum er das Wahlprogramm der CDU nicht gut findet (Januar 2005)...
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... und lässt sich vom Präsidenten des Deutschen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, über Probleme in der Landwirtschaft aufklären.
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Bald wird das zu viel für seine Gesundheit: In einer Wahlkampfveranstaltung in Homburg an der Saar bricht Müntefering am Rednerpult zusammen; Parteifreunde stützen ihn (24. August 2005).
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Rote Nelken zum 65. Geburtstag: eine Geste der Beschäftigten der SPD-Parteizentrale und des Präsidiums (Januar 2005).
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Auf dem Bundesparteitag in Karlsruhe wirbt Müntefering für die Vereinbarung mit der Union (November 2005).
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Die beiden werden ein gutes Gespann: Müntefering als Arbeitsminister und Vizekanzler, Angela Merkel (CDU) als Bundeskanzlerin.
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Münterfering und Merkel halten die Koalition zusammen.
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Am 13. November 2007 ruft Münterfering die Presse - und verkündet seinen Rücktritt aus allen Ämtern.
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Er will sich mehr um seine schwerkranke Ehefrau Ankepetra kümmern.
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Den Ball gibt er an andere weiter.
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Sein Nachfolger als Bundesarbeitsminister wird Olaf Scholz (zweiter von rechts), Vizekanzler Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.
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Der Tod seiner Frau hat Müntefering sichtlich zugesetzt. Das Bild zeigt den Politiker auf einem SPD-Sommerfest in Rösrath bei Köln.
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Anfang September 2008 tritt Müntefering in München erstmals wieder in größerem Rahmen auf. Der Jubel ist groß.
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Nach einem Jahr als einfacher Bundestagsabgeordneter kehrte er im September 2008 auf die politische Bühne zurück und wurde im Oktober zum Nachfolger von Kurt Beck als SPD-Chef gewählt.
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Gemeinsam mit SPD-Kanzlerkandidat, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, zieht Müntefering in Bundestagswahlkampf 2009. Am Templiner See in Potsdam stellen sie im Rahmen ihrer zweitägigen Klausurtagung stellten ihr Kompetenzteam vor.
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Die Wahl wird zum Debakel für die SPD. Müntefering gesteht die Niederlage ein und kündigt seinen Rückzug von der Parteispitze an.
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Franz Müntefering wird vermutlich nicht mehr als SPD-Parteichef kandidieren. Wir schauen zurück auf seine politische Karriere.
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Linkspartei in der Krise
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Müntefering war am Mittwochabend erstmals nach dem Tod seiner Frau Ankepetra vor fünf Wochen bei einer größeren politischen Veranstaltung aufgetreten. Laut der Umfrage glauben 41 Prozent, dass die SPD mit Steinmeier als Kanzlerkandidat die größten Chancen bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr hätte. Müntefering liege mit 36 Prozent knapp dahinter. Nur 10 Prozent sehen die besten Chancen mit SPD-Chef Kurt Beck.
Stegner: Müntefering ist ein fulminanter Wahlkämpfer
Stegner erwartet von der Klausur der Partei- und Fraktionsspitzen am Sonntag, dass sie für Geschlossenheit sorgt. "Die Partei erwartet, dass ihre Führungskräfte geschlossen in den Bundestagswahlkampf ziehen. Sie sollten den Eindruck vermitteln, dass sie an einem Strang ziehen", sagte Stegner. Dabei könne Müntefering eine wichtige Rolle spielen. "Er ist ein fulminanter Wahlkämpfer und ein alter Fuchs. Er ist Sozialdemokratie pur. Die Leute mögen ihn", sagte Stegner.
Er rechnet am Wochenende mit keiner Entscheidung über die Kanzlerkandidatur. "Am Sonntag erwarte ich keine Festlegung auf einen Kanzlerkandidaten", sagte Stegner. Laut dem SPD-Präsidiumsmitglied, das an der Klausur teilnehmen wird, soll es aber "Klarheit über Termine und Abläufe" geben.
Stegner fordert, dass das Hamburger Parteiprogramm als Grundlage für das geplante Wahlprogramm genommen wird. "Von Hamburg darf politisch weder nach rechts noch nach links abgewichen werden", sagte Stegner.