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Spende oder Steuer: Reichtum verpflichtet

Vermögende spenden gern - nicht nur in den USA. In Deutschland wollen manche allerdings lieber stärker besteuert werden.

Manch ein Reicher kann sich einen ganzen Fuhrpark leisten.
Manch ein Reicher kann sich einen ganzen Fuhrpark leisten.
Foto: ddp
Frankfurt –  

Die reichsten Männer der Welt zeigten sich in den vergangenen Tagen spendabel: 38 US-Milliardäre verpflichteten sich, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. Für den Appell verantwortlich zeichnen Bill Gates und Warren Buffett, Nummer zwei und drei auf der Forbes-Liste der weltweiten Superreichen.

Dieter Lehmkuhl begrüßt diesen Impuls – im Kontext der amerikanischen Tradition eines gering ausgeprägten Sozialstaats, wie er gleichwohl einschränkt. Der Mitinitiator der Initiative Vermögender für eine Vermögensabgabe hält in Deutschland dagegen auf lange Sicht eine steuerliche Regelung vonnöten, freiwillige Spenden reichten nicht aus. „Wer spendet oder stiftet, genießt Steuervorteile“, erläutert der Psychiater im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. „Er entzieht dem Staat Steuermittel und verteilt sein Vermögen ohne demokratische Kontrolle.“ So könne ein Millionär oder Milliardär mit seinem Geld Einfluss auf soziale oder kulturelle Projekte nehmen und sie „nach Gutsherrenart steuern und gewinnt dadurch nicht demokratisch legitimierte gesellschaftliche Gestaltungsmacht“.

Stiftungswesen

In Deutschland gibt es 17372 Stiftungen bürgerlichen Rechts. Im Jahr 2009 kamen 914 Neugründungen hinzu.

Genehmigt wird eine Stiftung meist ab einem Vermögensgrundstock von etwa 50000 Euro. Laut Bundesverband Deutscher Stiftungen verfügen rund 60 Prozent aller Stiftungen über ein Grundkapital von weniger als einer Million Euro. Rund 95 Prozent sind dem Gemeinwohl gewidmet, vor allem sozialen Zwecken, Wissenschaft und Kultur.

Die nach Vermögen größten Stiftungen: Robert Bosch Stiftung, Dietmar-Hopp-Stiftung, VolkswagenStiftung , Baden-Württemberg Stiftung, Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Die Joachim Herz-Stiftung des Tchibo-Erben auf Platz 10 ist mit einer Milliarde Euro die größte Stiftung aus Privatvermögen. msa

Seit der Appell deutscher Vermögender im vergangenen Jahr als Zeitungsanzeige erschien, haben bereits 48 gut betuchte Bürger unterschrieben. Sie fordern von der Politik, sie durch eine Vermögensabgabe stärker zu belasten, um die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu bewältigen und die soziale Ungleichheit zu verringern. Im Wortlaut heißt es in ihrem Aufruf: „Menschen mit einem Vermögen von über 500000 Euro müssen mit einer auf zwei Jahre befristeten Vermögensabgabe in Höhe von jeweils fünf Prozent in die Pflicht genommen werden.“ Danach solle es eine Vermögenssteuer von mindestens einem Prozent geben.

Über eine solche Abgabe hinaus seien individuelle Stiftungen und Spenden natürlich zu begrüßen, sagt Lehmkuhl. Bereits heute zeigt sich ein Großteil der Wohlhabenden und Reichen in diesem Bereich äußerst engagiert. Hedonisten, die ihr Geld nur zum eigenen Vergnügen verprassten, seien äußerst selten, sagte der Reichtums- und Vermögensforscher Wolfgang Lauterbach der FR. Der Soziologe der Universität Potsdam hat mit einem Forschungsteam für die Studie „Vermögen in Deutschland“ rund 500 vermögende Haushalte mit einem verfügbarem Netto-Geldvermögen von mindestens 200000 Euro zu ihrer Lebenssituation befragt.

Unter ihnen sei „der Anteil derjenigen, die sich engagieren, sehr hoch“. Es gebe eine „wachsende Klientel, die der Gesellschaft etwas zurückgeben wolle“. Häufig sei dies auf religiöse Motive, ein hohes Verantwortungsgefühl gegenüber der Gesellschaft oder den Glauben an eine gerechte Welt zurückzuführen.

Das Stereotyp der „Reichen mit Perlenkette, die an der Costa Smeralda einen Cocktail für 50 Euro schlürft“ sei nicht haltbar. Vielmehr lebe der Großteil der Reichen in Deutschland eher zurückgezogen, der Reichtum sei ihnen nicht auf Anhieb anzusehen. Über 50 Prozent hätten sich ihr Vermögen erarbeitet, ein knappes Drittel sei durch Erbschaften reich geworden. Gewinne aus Immobilien- und Börsengeschäften spielten mit rund acht Prozent eine eher geringe Rolle. Auch Aufstiegsheiraten seien selten.

Zudem müsse man stärker differenzieren, fordert Lauterbach. Das Bild der Reichen werde oft überzeichnet. Dabei sei das Spektrum „vom Günther-Jauch-Millionär bis zum superreichen Milliardär“ riesig. Letztere lebten im Gegensatz zu einfachen Millionären „praktisch losgelöst vom Lebensnotwendigen“. Landläufig gelte der Richtwert, das Menschen mit einem Vermögen von etwa 200 Prozent über dem Durchschnittseinkommen als wohlhabend gelten, ab 300 Prozent als reich.

Laut Sachverständigenrat verfügen zehn Prozent der Gesellschaft über rund 60 Prozent des Gesamtvermögens.

Autor:  Marie-Sophie Adeoso
Datum:  5 | 8 | 2010
Kommentare:  17
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