Herr Professor Schlosser, worauf sollten wir in der Debatte um das Minarett-Verbot in der Schweiz sprachlich achten?
Dass wir uns so sachlich wie möglich ausdrücken. Wir haben eine ganze Reihe auch unter den Unwortvorschlägen, bei denen sich Islamophobie und Islamisierung breitmacht. "Islam" wird sogar als Unwort genannt - das ist natürlich Unfug.
In den Stellungnahmen begegnen einem Worte wie Überfremdung, Identitätsverlust, Dominanzstreben, Islamophobie
Überfremdung ist ein ganz schlimmes Wort, beziehungsweise ein Wort mit einer schlimmen Vergangenheit. Es ist eines unserer Unwörter in früheren Jahren gewesen, weil es während der Nazi-Zeit ab 1934 das "Eindringen Fremdrassiger und fremden Volkstums" bezeichnete. Vorher war es ein betriebswirtschaftlicher Begriff, bei dem es um zu viel fremdes Geld in einem Unternehmen ging. Das Wort ist belastet, das muss uns klar sein. Ich wundere mich auch immer, wie plötzlich wieder viele Deutsche Christen werden, wenn es um die Abwehr nichtchristlicher Vorstellungen und Religionen geht.
Welche Rolle spielt die Sprache in brisanten Diskussionen wie dieser?
Eine große. Dabei geht es hauptsächlich um bestimmte Schlüsselwörter. Da muss man auf beiden Seiten vorsichtig sein, nicht in Extreme zu verfallen und zu Diskriminierungen zu greifen.
Wie läuft die derzeitige Diskussion aus Ihrer Sicht ab?
Gemessen an den genannten Schlüsselwörtern läuft sie schlecht ab. Andererseits wühlt das Minarett-Verbot Dinge auf, die sonst verdrängt werden, weil man nicht politisch danebenliegen will. Insofern müssen beide Seiten ehrlicher werden, ohne die eigenen Unsicherheiten zu verdecken, indem man die Vorwürfe an die jeweils andere Seite richtet.
CSU-Politiker Uhl spricht von "Überfremdung", der türkische Ministerpräsident Erdogan von einer "faschistischen Haltung in Europa". Sehen so sachliche Diskussionen aus?
Nein. Ich muss immer lachen, wenn ich einige Politiker in Frontstellung sehe, die seinerzeit die Gastarbeiter nach Deutschland geholt haben. Und der Faschismusvorwurf ist noch billiger.
Interview: Silke Rummel
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