Die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft treffen den Islamverband Milli Görüs und die Islamische Gemeinschaft in Deutschland ins Mark. Es geht um Geldtransaktionen zu islamistischen und gewaltbereiten Gruppen in Süddeutschland: Einnahmen aus "betrügerischen Finanzkonstruktionen" könnten Islamisten geholfen haben, heißt es. Die Ermittler bei der Münchner Staatsanwaltschaft und die Polizei gehen davon aus, dass zwischen den Funktionären in Köln und Kerpen und Aktivisten in München und Ulm direkte Verbindungen bestehen. Einer der Beschuldigten soll "in federführender Art und Weise in einer Münchner Moschee mit Bezug zur sunnitisch-extremistischen Muslimbruderschaft tätig" sein, so die Münchner Polizei. Ibrahim El-Zayat, Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Deutschland (IGD), soll der Hauptbeschuldigte sein. Der 41-Jährige hat eine Firma, die sich auf das Projektmanagement von Moscheebauten spezialisiert hat, und betreut für Milli Görüs europaweit Immobilien. Milli-Görüs-Generalsekretär Oguz Üçüncü ist für die europaweite Organisation seines Vereins zuständig.
Durchsucht wurden die Büros und Privaträume von El-Zayat und Üçüncü. Razzien gab es in Köln, Bornheim, Kerpen, Hamm, München, Garching und Berlin sowie in Belgien. Die Ermittler glauben, dass sich El-Zayat und Üçüncü "bereits vor mehreren Jahren" mit den anderen Verdächtigen "zu einer Vereinigung zusammengeschlossen haben, deren Tätigkeit und Zweck auf die Begehung von Straftaten mit dem Ziel der Erlangung von Geldern gerichtet ist, um hierdurch eigene politisch-religiöse und letztlich islamistische Ziele zu verfolgen". Die Rede ist von Betrug in mehreren Fällen, Urkundenfälschung, Untreue, Geldwäsche und Verstoß gegen das Kreditwesengesetz. "Bei den Betrugsdelikten muss von gewerbs- und bandenmäßiger Begehung ausgegangen werden", so die Polizei.
Milli Görüs streitet seit langem mit den deutschen Innenministerien um seine Einstufung als islamistisch. Innerhalb des Verbandes hat ein Generationswechsel stattgefunden, der mit heftigen Richtungskämpfen verbunden ist. Üçüncü stellt sich als Repräsentant des neuen, integrativen Selbstverständnisses dar. Auch die IGD ist im Visier der Verfassungsschützer, denen sie als Sammelbecken von Anhängern der 1928 in Ägypten gegründeten Muslimbruderschaft gilt. Allerdings betonen Beobachter, unter den mutmaßlichen Muslimbrüdern in Deutschland gebe es ganz unterschiedlich radikale Strömungen. IGD-Hauptsitz ist das "Islamische Zentrum München".
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