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Staatsführung mit Schlingerkurs: Nordkorea öffnet Grenzübergang

Nordkorea hat einer erneuten Öffnung der Grenze zu Südkorea für Tourismus und getrennte Familien zugestimmt. Kurz zuvor hatte das kommunistische Land noch den USA und Südkorea mit einem Atomschlag gedroht.

Ein nordkoreanischer Soldat beobachtet mit einem Fernglas einen südkoreanischen Soldaten in der demilitarisierten Zone nahe Panmunjon.
Ein nordkoreanischer Soldat beobachtet mit einem Fernglas einen südkoreanischen Soldaten in der demilitarisierten Zone nahe Panmunjon.
Foto: dpa

Nach den wachsenden Spannungen in den vergangenen Monaten will Nordkorea die Grenze nach Südkorea für neue Treffen von getrennten Familien und Touristen wieder durchlässiger machen. Die Reisen zum Kumgang-Gebirge an der Ostküste wie auch zur Grenzstadt Kaesong sollen bald wieder aufgenommen werden, wie die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Montag berichtete.

Neue Familientreffen soll es im Oktober geben. Darauf einigten sich das kommunistische Nordkorea und die südkoreanische Hyundai-Gruppe, die die ausgesetzten Tourismusprojekte bislang betrieben hatte.

Die südkoreanische Regierung bewertete die Einigung als "positiv", machte aber zugleich deutlich, dass die Entscheidung für die Wiederaufnahme der Tourprogramme in Gesprächen auf Regierungsebene getroffen werden müsse. Ungeachtet der als Versöhnungsgeste verstandenen Erklärung versetzte Nordkorea seine Truppen und die Bevölkerung wegen einer alljährlichen Militärübung der US-Streitkräfte mit Südkorea in "spezielle Alarmbereitschaft".

In einer Erklärung des Oberkommandos der Volksarmee wurde den USA und Südkorea erneut unterstellt, einen Angriff vorzubereiten. Südkoreas Verteidigungsministerium spielte die Erklärung als routinemäßige Reaktion auf das Manöver mit den USA herunter. Bei der gemeinsamen Übung, die am Montag begann und bis zum 27. August dauert, stehen Computersimulationen im Mittelpunkt.

Nordkorea und Hyundai verständigten sich den Berichten zufolge auch darauf, den Verkehr über die Grenze zum innerkoreanischen Industriepark in Kaesong wieder zu normalisieren. Die Erklärung wurde einen Tag nach einem Treffen zwischen dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il und der Chefin des Hyundai-Konzerns, Hyun Chung Eun, in Pjöngjang veröffentlicht. Dort hatte sich Hyun bereits zuvor erfolgreich für die Freilassung eines südkoreanischen Ingenieurs eingesetzt. Der Mann war wegen Kritik an der Führung in Pjöngjang viereinhalb Monate festgehalten worden. Er war Mitte März in Kaesong festgenommen worden.

Zusammen mit dem Gewerbepark waren die Tourismusprojekt wichtige Devisenquellen für das verarmte, aber hochgerüstete Nordkorea. Südkorea hatte die Reisen zum Kumgang-Gebirge im Sommer 2008 nach tödlichen Schüssen eines nordkoreanischen Soldaten auf eine südkoreanische Touristin ausgesetzt.

Die Beziehungen beider Lände hatten sich seit dem Antritt einer konservativen Regierung in Seoul im Februar 2008 wieder spürbar verschlechtert, die eine härtere Haltung gegenüber Pjöngjang vertritt. Allerdings hatte Seoul dem Norden wiederholt Dialogangebote unterbreitet, die Pjöngjang jedoch abgelehnt hatte. Nordkorea hatte Südkorea in den vergangenen Monaten wiederholt mit einem Militärschlag gedroht. Die Spannungen in der gesamten Region hatten sich durch den Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete im April und einen zweiten Atomtest in Nordkorea am 25. Mai merklich verschärft. (dpa)

Datum:  17 | 8 | 2009
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