Berlin. Alles haben sie minutiös untersucht, die Statistiker vom Statistische Bundesamt, die am Mittwoch Nachwuchsbilanz zogen: Jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 Jahren bleibt ohne Kinder, vor allem westdeutsche Akademikerinnen und Städterinnen. Und weil immer mehr Frauen gar keine Kinder bekommen, schwindet Deutschlands Bevölkerung.
So haben es die Chef-Statistiker anhand der Daten des Mikrozensus´ 2008 herausgefunden und die kinderlosen Frauen unter die Lupe genommen. Wo leben sie? Welche Schulbildung haben sie, welchen Migrationshintergrund? Nur bei einer Frage fiel den Experten nicht ein: Was ist mit den kinderlosen Männern?
Dass Frauen Kinder bekommen, ist auch in Deutschland nach wie vor die Regel. Aber Kinderlosigkeit ist nicht mehr exotische Ausnahme. Mittlerweile haben 21 Prozent der knapp über 40-Jährigen, keine leiblichen Kinder. Noch vor zehn Jahren waren es 16 Prozent. Die Tendenz ist steigend: 2008 waren 58 Prozent der Frauen mit 30 Jahren noch kinderlos viele von ihnen könnten es bleiben, selbst wenn Frauen immer später Mütter werden.
Kinderlosigkeit wächst mit dem Bildungsstand zumindest in Westdeutschland. Jede vierte 40-Jährige mit höherem Schulabschluss hat hier keine Kinder. Bei den Gleichaltrigen mit niedriger Schulbildung sind es halb so viele. Am häufigsten verzichten heute 40- bis 50-jährige westdeutschen Akademikerinnen auf Kinder, jede dritte wohl endgültig. In Ostdeutschland dagegen spielt der Bildungsstand kaum eine Rolle Indiz dafür, dass die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus DDR-Zeiten noch nachwirkt.
Insgesamt ist der Anteil der Kinderlosen in Westdeutschland bei den 40- bis 44-Jährigen fast doppelt so hoch wie im Osten der Republik. Auch dort steigt zwar seit der Wende der Anteil der Frauen ohne Kinder. Der Ost-West-Unterschied ist aber auch bei den jüngeren weiter deutlich.
Ähnlich krass ist das Stadt Land-Gefälle: In den ostdeutschen Flächenstaaten hat jede zehnte Frau in der Altersgruppe zwischen 35 und 49 Jahren keine Kinder, in den westdeutschen Flächenländern jede fünfte. Im Stadtstaat Hamburg hingegen, republikweiter Rekordhalter in Sachen Kinderlosigkeit, hat jede Dritte der Altersgruppe keine Kinder. Die Stadtstaaten Berlin und Bremen folgen knapp dahinter.
Der hohe Anteil der Zuwandererfamilien bessert die magere Bilanz der urbanen Zentren noch etwas auf: Der Anteil der Kinderlosen ist unter Frauen mit Migrationserfahrung nur halb so hoch wie bei den hier geborenen. Mütter, die im Ausland geboren wurden, haben zudem seltener nur ein Kind, sondern häufig auch drei oder vier.
Immer mehr Kinder werden von ledigen Müttern geboren. Die Zahlen, sagt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), zeigten, dass die Politik viel zu zögerlich auf sich ändernde Lebensverhältnisse reagiert habe. Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch Hilfen für gut ausgebildete und alleinerziehende Eltern müssten dabei im Vordergrund stehen.
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