Das Bundesumweltministerium schließt nicht aus, dass die Atommüll-Lager an einzelnen AKW-Standorten wegen der Laufzeitverlängerung erweitert werden müssen. Dies sei derzeit aber „noch nicht absehbar“, sagte eine Ministeriumssprecherin der FR. Sollte die Kapazität eines Zwischenlagers in Zukunft nicht ausreichen, müssen die Kraftwerksbetreiber bei den Aufsichtsbehörden in den Ländern entsprechende Genehmigungsanträge stellen.
Die FR hatte über eine interne Bilanz des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zu dem Thema berichtet. Danach könnte die erhöhte Menge an abgebrannten Brennelementen an zehn von zwölf Standort-Zwischenlagern Kapazitätsprobleme bringen. Der Platz in den Castor-Lagern reiche teils nur für drei bis sechs Jahre, während die AKW acht respektive 14 Jahre länger am Netz bleiben sollen. Das BfS bestätigte, das es die Daten über die Atommüll-Menge, die sich durch das Laufzeitplus verändern, derzeit aktualisiert.
Das BfS geht in seiner Rechnung davon aus, dass die Brennelemente nach der Abkühlung im so genannten „Abklingbecken“ im Reaktor in Castor-Behälter gepackt und in den Zwischenlagern abgestellt werden. AKW-Betreiber Eon zum Beispiel behält sich die Möglichkeit vor, diese „Nasslager“ nötigenfalls für eine längere Lagerung zu nutzen. Dies sehen Nuklearexperten kritisch.
Bedenkliche Nasslager
Der Stromkonzern RWE, der auch Biblis betreibt, erwartet keine Engpässe. Die zusätzlichen Brennelemente könnten dort im vorhandenen Castor-Zwischenlager untergebracht werden, sagte Vorstand Gerhard Jäger am Freitag bei einem Besuch von Hessens Umweltmisterin Lucia Puttrich (CDU) im Kraftwerk. Es sei nicht daran gedacht, das „Nasslager“ als Zwischenlager zu nutzen.
Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin warnte indes vor dem „Entsorgungsdilemma“. Es illustriere den atomaren Blindflug von Schwarz-Gelb“, sagte der Ex-Bundesumweltminster der FR. „Ich wünsche Herrn Röttgen schon jetzt viel Vergnügen bei den anstehenden Genehmigungsverfahren für die neuen Zwischenlager.“ Pläne, die Nasslager länger zu nutzen, seien unter Sicherheitsgesichtspunkten inakzeptabel.
Der SPD-Umweltpolitiker Ulrich Kelber kritisierte die schwarz-gelbe Entsorgungspolitik ebenfalls scharf. Die Regierung habe behauptet, das Laufzeitplus bringe keine zusätzlichen Probleme. Das sei eine „faustdicke Lüge“. Die Laufzeitverlängerung mache eine Erweiterung der Zwischenlager oder zusätzliche Castortransporte in andere Zwischenlager nötig. Dagegen werde es heftige Proteste geben.
Fraglich ist, ob das Endlager, in das der Atommüll aus den Zwischenlagern gebracht werden soll, rechtzeitig fertig wird. Man gehe weiter davon aus, dass das 2025 bis 2030 der Fall ist, hieß es dazu im Haus Röttgen. Darauf setzen auch die Konzerne.
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