Die Leute schätzen an Guttenberg, dass er auf das Geld der Steuerzahler achtet. Wäre das nicht eigentlich die Lieblingsrolle des Finanzministers?
Man sollte Schein und Wirklichkeit auseinanderhalten. Nehmen wir Opel. Drei Unions-Ministerpräsidenten, eine CDU-Bundeskanzlerin sind zusammen mit SPD-Politikern zum Ergebnis gekommen, dass die jetzige Lösung besser ist, als Opel einem Insolvenzverwalter in den USA zu überlassen. Zu Guttenberg hat sich dagegen gesträubt, aber am Ende einbinden lassen. Da hat er doch mehr zu erklären als ich.
Die Krise hat den Glauben an den freien Markt zerstört. Mittlerweile aber gewinnen die alten Positionen wieder an Kraft. Droht die Rolle rückwärts?
Ich sehe Tendenzen dafür. Es gibt Kräfte, die wollen die Krise einfach durchstehen und dann die Regulierungen wieder zurückdrängen. Da droht in der Tat eine Restauration. Das ist auch international zu spüren. Auf der anderen Seite haben auch die Banker dazu gelernt. Und es gibt politische Verabredungen, etwa die vom Londoner G 20-Gipfel. Vieles davon ist auch schon umgesetzt. Beispielsweise haben wir in Deutschland mit mehreren Gesetzen die Bankenaufsicht deutlich gestärkt - anders als es in den Parolen von Herrn Westerwelle nachklingen soll. Übrigens hat die FDP vor einer Woche gegen das verschärfende Banken- und Versicherungsaufsichtsgesetz gestimmt.
Also gibt es für die Zähmung der Finanzmärkte ein Zeitfenster, das sich bald wieder schließt?
Wenn die Krise überwunden ist, könnte der Druck für eine bessere Regulierung nachlassen. Insofern sollten wir die Chance jetzt nutzen. Insbesondere bei Managern in der Londoner City spüre ich schon die Tendenz für ihren Finanzplatz, Spielräume hinüber zu retten. Bei den USA sehe ich eine andere Interessenslage. Die Amerikaner müssen, um ihre riesigen Defizite finanzieren zu können, Kapitalexporteure davon überzeugen, dass sie es ernst meinen mit Verkehrsregeln und der Integrität ihrer Finanzmärkte.
Mit Äußerungen über Indianer und die Kavallerie haben Sie zuletzt mächtig für Wirbel gesorgt. Trauen Sie sich im Urlaub noch einmal in die Schweiz?
Die Öffentlichkeit will doch Politiker, die nicht so gestanzt daher reden. Ich könnte auch sagen: "Eine gute Grundlage ist die beste Voraussetzung für eine solide Basis." Das ist sehr korrekt - und nichtssagend. Ich drücke mich anders aus, und dann ist die Aufregung groß. Bei einigen akzeptiere ich die Empörung. Bei anderen ist sie geschauspielert. Außerdem brauchen wir Druck, um im Kampf gegen Steuerhinterziehung und -betrug voran zu kommen.
Aber in die Schweiz fahren Sie dieses Jahr nicht?
Das hat damit nichts zu tun. Meine Sympathien für das Land sind unverändert. Ich habe letztes Jahr in der Schweiz einen wundervollen Urlaub verbracht.
Interview: Karl Doemens und Markus Sievers
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