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21. Mai 2014

Steinmeier-Video: Steinmeiers Wutrede Youtube-Hit

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Engagiert auf dem Alexanderplatz: Außenminister Steinmeier.  Foto: dpa

Außenminister Frank-Walter Steinmeier wird zum Hit auf Youtube. Seine Wutrede auf dem Berliner Alexanderplatz zieht im Netz Kreise.

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Berlin –  

Nach wenigen Minuten schon ist der Kopf hochrot angelaufen. Der linke Zeigefinger sticht drohend in die Luft. Der ganze Mann bebt vor Erregung. „Kriegstreiber, Kriegstreiber!“, haben rund hundert Demonstranten dem Außenminister entgegengerufen. Sie blasen wild in ihre Trillerpfeifen. „Stoppt die Nazis in der Ukraine!“ und „Kein Geld für die Faschisten in Kiew!“ steht auf ihren Plakaten.

„Ihr sollt euch überlegen, wer hier die Kriegstreiber sind“, brüllt Frank-Walter Steinmeier von der kleinen Bühne herunter: „Wer eine ganze Gesellschaft als Faschisten bezeichnet, der treibt den Konflikt in Richtung Krieg.“ Die Buhrufe und Pfiffe werden immer lauter. „Der Sozialdemokratie muss niemand sagen, warum Sie für den Frieden kämpft“, donnert Steinmeier. Seine rechte Hand ist zur Faust geballt.

So aufgewühlt, so erregt, so empört hat man den sonst eher spröde-diplomatischen Niedersachsen noch nie erlebt. Eigentlich soll er am Montagabend auf dem Berliner Alexanderplatz einen ganz normalen Wahlkampfauftritt absolvieren. Eine kleine Rede zum Aufwärmen für Martin Schulz, die Europa-Spitze der SPD. Mehr nicht. Doch die direkte Konfrontation des Außenministers, der im Ukraine-Konflikt seit Wochen wie Sisyphos um eine diplomatische Lösung ringt, mit dem Hohn und den Schmährufen der lautstarken Protestler vermittelt einen gänzlich ungeplanten Eindruck vom Ernst der weltpolitischen Lage.

Der Mitschnitt von Steinmeiers Rede ist mittlerweile ein Hit auf dem Videoportal Youtube und bis Mittwochnachmittag bald eine halbe Million Mal angeklickt.

Europa befinde sich in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten, hatte Steinmeier wenige Stunden vor seinem Auftritt gemahnt. Man müsse nun jede Möglichkeit nutzen, „selbst kleinste Brücken zu bauen“. Nun steht „Fuck EU!“ auf den Plakaten. „Die Welt besteht nicht nur aus Friedensengeln auf der einen und Bösewichten auf der anderen Seite“, hält Steinmeier den Demonstranten entgegen: „Die Welt ist leider kompliziert.“ Vehement plädiert der SPD-Politiker für die Niederungen der Realpolitik. Europa als Friedens- und Freiheitsprojekt will er sich nicht kaputt machen lassen: „Europa, das ist die Lehre aus den Zeiten, in denen Menschen sich nicht zugehört haben“, schmettert er den Zwischenrufern entgegen. „Ich fordere euch auf: Hört zu!“, donnert er leidenschaftlich: „Die totgesagten Geister des Kalten Krieges kehren zurück. Und das dürfen wir nicht zulassen!“

Das Publikum in den vorderen Reihen klatscht tosend Applaus. Steinmeier setzt sich zufrieden auf eine Bank. Seine Brille ist von innen beschlagen. Aber seine Wut ist draußen. Endlich.

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