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12. März 2014

Sterbehilfe: Der Arzt und sein Gewissen

 Von 

Mediziner führen seit Jahren eine heftige Kontroverse um das Thema Sterbehilfe. Jeder Dritte ist dazu bereit.

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Die Gegner von Sterbehilfe haben in der Ärzteschaft verlässliche Verbündete. Vor allem der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, lässt keine Gelegenheit aus, Gesundheitsminister Hermann Gröhe zur Seite zu springen. In der vergangenen Legislatur war eine Neuregelung an einem Dissens der Union mit FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gescheitert, die nur eine kommerzielle Sterbehilfe verbieten wollte. Auch Montgomery hatte sie heftig gescholten und ein schärferes Gesetz verlangt. Nun will er den CDU-Minister mit medialer Dauerpräsenz unterstützen.

Seine Position könnte eindeutiger nicht sein: Ärzte stehen für Sterbehilfe nicht zur Verfügung. Punkt. Und so sieht das auch die Mehrheit seiner Kollegen. Nur jeder dritte deutsche Arzt ist laut Umfragen bereit, Sterbewilligen mit Medikamenten zum Tod zu verhelfen. Allerdings könnte man es auch so sehen: Immerhin jeder Dritte kann sich das vorstellen.

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Die Mediziner diskutieren das Thema seit langem sehr kontrovers. Vor drei Jahren sah es aus, als würde sich die Bundesärztekammer in Richtung Liberalisierung bewegen. Der damalige Präsident Jörg-Dietrich Hoppe hatte dafür geworben, die „differenzierten individuellen Moralvorstellungen von Ärzten in einer pluralistischen Gesellschaft anzuerkennen“.

In die Grundsätze zur ärztlichen Sterbebegleitung wurde im Februar 2011 der Satz eingefügt: „Die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung ist keine ärztliche Aufgabe.“ Das ist deshalb bemerkenswert, weil diese Feststellung an die Stelle des strikten Diktums trat, wonach eine solche Mitwirkung „dem ärztlichen Ethos widerspricht“. Hoppe sagte seinerzeit: „Wenn Ärzte mit sich selbst im Reinen sind, dann brechen wir nicht den Stab über sie.“

Zudem wollte der Kammerpräsident den Widerspruch zwischen dem Straf- und dem Standesrecht auflösen: Danach ist die ärztliche Beihilfe zum Suizid straffrei, kann aber berufsrechtlich geahndet werden. Doch damit kam Hoppe bei der mehrheitlich konservativen Ärzteschaft nicht durch; einer seiner Kritiker: sein damaliger Vize Montgomery.

Kein Berufsverbot

Im Juni 2011 beschloss der Ärztetag sogar eine Verschärfung der Muster-Berufsordnung, die keinen Interpretationsspielraum zulässt: „Ärzte dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten.“ Wer dagegen verstößt, muss gleichwohl nicht überall in Deutschland mit einem Berufsverbot rechnen – faktisch hat es in den vergangenen Jahren sowieso keinen Fall gegeben. Und verbindlich sind nur die Berufsordnungen, die von den 17 autonomen Landesärztekammern erlassen werden. Einige haben die Verbotsregel aus der Muster-Ordnung gar nicht übernommen.

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Auch das zeigt: Viele Ärzte wehren sich gegen eine Regel, die die Freiheit der Berufsausübung einschränkt, und pochen auf ihr Recht, ihrem Gewissen zu folgen. Allerdings exponieren sich bislang nur wenige öffentlich. Den Ton geben neben Montgomery vor allem Palliativmediziner an, die ebenfalls an Gröhes Seite stehen. Der kann Verbündete gut brauchen, denn die öffentliche Meinung ist gegen ihn: Zwei von drei Deutschen lehnen Strafen für Suizidbeihilfe ab und wünschen sich gar eine Legalisierung von Tötung auf Verlangen.

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