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Politik
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08. September 2010

Sterbehilfe: Mehr Rechte für Sterbende

 Von Timot Szent-Ivanyi

Die geplante „Charta zur Betreuung“ soll die Debatte über Tötung auf Verlangen zum Verstummen bringen.

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Berlin –  

Wenn Josef Hecken über das Sterben schwerstkranker Menschen redet weiß er, wovon er spricht. Der CDU-Politiker, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, hat vor 30 Jahren seine damals erst 50-jährige Mutter verloren, die an Darmkrebs litt. Ein Jahr lang pflegte er sie zusammen mit Vater und Bruder zu Hause . „Wir waren überfordert“, berichtete er am Mittwoch auf einer Konferenz in Berlin. „Nicht nur die Schwerkranke hat irgendwann den Tod herbeigesehnt.“

Anlass der Konferenz war die Vorstellung einer „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen“, die in zweijähriger Arbeit an einem Runden Tisch entstanden ist. Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes und der Bundesärztekammer haben mehr als 50 Verbände, Ministerien und die beiden großen Kirchen Grundsätze und Anforderungen formuliert, um Menschen ein würdiges Sterben zu ermöglichen.

Kernsatz der Charta: „Wir werden uns dafür einsetzen, ein Sterben unter würdigen Bedingungen zu ermöglichen und insbesondere den Bestrebungen nach einer Legalisierung der Tötung auf Verlangen durch eine Perspektive der Fürsorge und des menschlichen Miteinanders entgegenzuwirken.“ Die Charta thematisiert Rechte, Bedürfnisse und Wünsche von Schwerstkranken und Sterbenden. In fünf Leitsätzen wird für eine Verbesserung der juristischen, medizinischen und ethischen Rahmenbedingungen plädiert. Versorgungsstrukturen müssten besser vernetzt werden, Aus- und Fortbildung sowie Forschung ausgebaut werden. Für die Betreuung sterbenskranker Kinder und Jugendlicher werden eigene Konzepte gefordert.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), nannte die Charta einen Meilenstein für die Verbesserung der Situation sterbender Menschen. Sie kündigte an, dass das Bundesgesundheitsministerium eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes vorbereite, um eine permanente Verfügbarkeit von Schmerzmitteln in palliativen Einrichtungen und Hospizen zu erreichen. So solle zukünftig das Anlegen von Notfallvorräten ermöglicht werden. Eine geeignete Schmerztherapie gilt als wesentliche Grundlage für ein würdevolles Sterben.

Auch Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe lobte die Charta. Wenn man den Menschen die Angst davor nehme, unter unwürdigen Bedingungen sterben zu müssen, dann könne es auch gelingen, die Debatte über die Sterbehilfe zurückzudrängen, zeigte sich der Mediziner optimistisch.

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