Thilo Sarrazin
Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin sieht einem Zeitungsbericht zufolge in dem Schweizer Minarett-Entscheid einen Beleg für das Auseinanderklaffen von Gesellschaft und Politik. "Das Schweizer Volksbegehren zeigt, dass in der Tiefe der Gesellschaft anders gedacht wird als die politische Klasse und die Mehrheit der Medien glauben wollen", sagte Sarrazin dem "Handelsblatt".
Sarrazin hatte zuletzt im Oktober für Aufregung gesorgt, als er sich zur Integrationspolitik äußerte. In einem Interview sagte er unter anderem, er müsse "niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert". Die Staatsanwaltschaft hatte ein Verfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung und Verleumdung vergangene Woche eingestellt. (rtr)
Henryk M. Broder
Der Publizist Henryk M. Broder sieht den Schweizer Volksentscheid gegen Minarette nicht als Zeichen mangelnder Toleranz. Das Referendum sei vielmehr geprägt vom Wunsch, den nationalen und kulturellen Charakter des Landes zu bewahren, sagte Broder der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen" in Kassel. Die Schweizer hätten Minarette zu Recht als Zeichen der Dominanz des Islams abgelehnt.
Nach Broders Auffassung geht es dabei nicht um Religionsfreiheit. "Es geht um eine islamische Drohkulisse und um Angst, die seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten aufgebaut wird."
Die Schweizer hätten einem Unbehagen Ausdruck gegeben, das weit über die Landesgrenzen hinaus verbreitet sei, auch wenn es aus Angst oft nicht artikuliert werde.
Broder: "Nicht übertragbar ist der typisch schweizerische Weg des Referendums. Die Schweizer üben das seit 400 Jahren. Eine mustergültige Art, direkte Demokratie zu praktizieren." (dp)
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