„Ich habe soeben im Nürnberger Modeverbrecherprozess meinen Gegner vernichtend geschlagen“, verkündete gestern der nach eigenen Angaben größte Modedesigner aller Zeiten, Storch Heinar, im Internet. Das war kurz nachdem das Landgericht Nürnberg-Fürth die Klage der brandenburgischen Firma Mediatex gegen den zerzausten Storch mit dem verbeulten Stahlhelm auf dem Kopf und dem Hitlerbärtchen über dem Schnabel abgewiesen hatte.
Mediatex stellt die bei Rechten sehr beliebte Kleidermarke Thor Steinar her. Die Firma aus Zeesen war gegen die Macher von Storch Heinar vorgegangen, weil sie sich durch den Vogel verunglimpft und ihre Markenrechte verletzt sah. Ein Ordnungsgeld in Höhe von 250000 Euro verlangte das Unternehmen, sollte der Storch weiter klappern.
Doch das Gericht sah das anders. Es konnte weder eine Herabsetzung noch eine Verunglimpfung der Produkte des Brandenburger Unternehmens erkennen. Der Vorsitzende Richter Horst Rottmann sah auch keinerlei Verwechslungsgefahr von Storch Heinar und Thor Steinar. Das Verbot scheitere schon deshalb, weil eine satirische Auseinandersetzung mit der Modemarke Thor Steinar von den Grundrechten auf Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt sei, so das Gericht.
Mediatex muss nun 94 Prozent der Kosten für den Rechtsstreit zahlen, Storch Heinar, der sich gestern im Internet bei der Brandenburger Firma artig für die Werbung bedankte, den Rest.
Hinter Storch Heinar steht die Initiative Endstation Rechts aus Mecklenburg-Vorpommern. Heinars geistiger Vater, der Rostocker SPD-Landtagsabgeordnete Mathias Brodkorb, freute sich riesig über den Erfolg des zerrupften Vogels. „Immerhin haben wir in Nürnberg gewonnen, wer kann das schon von sich sagen“, sagte Brodkorb.
Vor zwei Jahren hatte der 33-Jährige zusammen mit anderen Mitstreitern von Endstation Rechts den missratenen Vogel namens Heinar, der mit Verdauungsproblemen kämpft, ins Leben gerufen. Seitdem prangt der Satirestorch und ein Abbild seines Kumpels Benito Storcholini auf Tassen, T-Shirts und Taschen, die im Internet vertrieben werden, und von deren Erlös der Kampf gegen den Rechtsextremismus mitfinanziert wird.
Ausruhen wird sich Storch Heinar auf seinem gestrigen Erfolg nicht, versprach Brodkorb. Man sei schon dabei, Neues zu kreieren, um die Rechten zu ärgern. So gebe es demnächst einen neuen – modischen – Deutschlandpakt zwischen Storch Heinar und der Front deutscher Äpfel aus Leipzig. Die auch Deutsche Apfelfront genannte Initiative versteht sich als Parodie auf rechtsextreme Parteien. Ihr Name ist angelehnt an den sächsischen NPD-Politiker Holger Apfel.
Noch ist das Urteil aus Nürnberg nicht rechtskräftig. Ob Mediatex Rechtsmittel einlegen wird, ist unklar. Aus Zeesen hieß es nach dem Richterspruch nur: „Das Urteil muss uns erst einmal schriftlich mit Begründung vorliegen, dann werden wir entscheiden.“
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