kalaydo.de Anzeigen

Streetview: Google weiß, wo dein Haus wohnt

Es ist eines der großen Aufreger-Themen im Internet, nun endet die umstrittene Frist für Vorab-Einsprüche gegen den Internetdienst Google Streetview. Datenschützer fordern weiterhin klare Vorgaben vom Bund.

Sieht alles, zumindest draußen: Die Google Streetview Kamera.
Sieht alles, zumindest draußen: Die Google Streetview Kamera.
Foto: Getty Images

Auf der Reeperbahn, es könnte nachts um halb eins sein, steht ein fülliger Mann in Jeansweste vor der „Erotica Boutique Bizarre“, die vor allem „Lack und Leder“ führt. Die Anwohner am Berliner Gendarmenmarkt können ihre Fenster von aller Welt aus im Internet sehen. Und in der Kölner Altstadt lässt sich ein Herr, offenbar am Vormittag, ein großes Bier servieren.

Solche Fotos, zu Rundum-Panoramen aneinanderkopiert, wollen Hunderttausende Deutsche offenbar nicht von sich im Netz sehen. Das zeigte die hitzige Debatte um Googles Dienst Streetview, der bis Ende des Jahres Panoramas von 20 deutschen Städte zeigen will. Als Google das ankündigte, verlangte der zuständige Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar etliche Änderungen – die er notfalls einklagen wollte. Google lenkte ein. Dazu zählt die Möglichkeit, dass Hausbesitzer und Mieter Einspruch gegen die Abbildung ihres Hauses einlegen können. Wer sich binnen acht Wochen meldet, dessen Haus werde bei Streetview und in den Rohdaten verblendet.

Widerspruch einlegen

Bis Ende des Jahres will Google seinen Bilderdienst Streetview für 20 deutsche Städte anbieten. Bewohner dieser Städte können nur noch am heutigen Freitag bis 23.59 Uhr die Veröffentlichung von Fotos ihrer Hausfassade untersagen. Das gilt für Besitzer wie für Mieter.
Einspruch legt man am besten mit Googles Online-Tool ein (www.google.de/streetview). Dort kennzeichnet man sein Haus in einem Stadtplan, erhält dann einen Brief mit einem Code zur Online-Eingabe. Widerspruch per Fax an: 040/49219194, per Brief an: Google, ABC-Str. 19, 20354 Hamburg. Infos und Formulare: www.bmelv.de

Diese Frist läuft am heutigen Freitag. Danach sei Widerspruch erst wieder möglich, wenn die Fotos online sind, sagte Caspar der FR. Dann könne man die Löschung konkreter Bilder fordern, die bis zu acht Wochen dauere.

Google will die Zahl der Widersprüche erst nennen, wenn es Dopplungen und Spam herausgerechnet hat. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) schätzt sie auf FR-Anfrage auf „mehrere hunderttausend“. Google habe aber zugesagt, so Caspar, „erst zu starten, wenn alle Widersprüche umgesetzt“ seien. „Das werden wir intensiv kontrollieren.“

Doch das Thema wächst sich aus: So sind die eingangs beschrieben Szenen längst online – beim Streetview-Konkurrenten Sightwalk. Der arbeitet von NRW aus, wo die örtlichen Datenschützer rechtliche Schritte prüfen. Und auch gegen den Dienst Google Earth mit Satellitenfotos haben viele Bürger Bedenken angemeldet. „Wir sind uns einig“, sagte Aigner der Frankfurter Rundschau, „dass wir bei der Nutzung und Verknüpfung von Geodaten rote Linien ziehen müssen, die nicht überschritten werden dürfen.“ Widersprüche gegen Hausansichten sollte die Wirtschaft aber vorerst selbst regeln. Caspar ist skeptisch: „Der Staat darf nicht nur Eckpunkte vorgeben, er muss klare Regeln aufstellen und durchsetzen.“

So groß ist das Google-Imperium

Bildergalerie ( 32 Bilder )
Autor:  Steven Geyer
Datum:  14 | 10 | 2010
Kommentare:  6
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Zeitgeschichte

Deutschland 20 Jahre nach der Wiedervereinigung: Die FR beschreibt das Land anhand der Lebensgeschichten ihrer Einwohner.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!