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Streit um Asse: Atommüll in Magnesiumchlorid

"Abenteuerlich und unverantwortlich" nennen Umweltschützer die Vollverfüllung des Endlagers Asse. Von Peter Mlodoch

Atommüll-Lager Asse - Probleme ohne Ende

Hannover. An das gelbe "A", ihr Protestsymbol, haben die Aktivisten bereits blaue Füße gemalt. Bürgerinitiativen und Umweltgruppen befürchten nämlich, dass das marode Atommüll-Endlager Asse nun doch weitgehend geflutet werden könnte. Unter der möglichen Schließungsoption "Vollverfüllung" verberge sich nichts anderes als das alte, umstrittene Konzept der Flutung des absaufenden Salzbergwerks mit einer Magnesiumchlorid-Lösung, erklärte der Asse-II-Koordinationskreis am Montag in Hannover.

"Diese nasse Verwahrung ist abenteuerlich und unverantwortlich", sagte Frank Hoffmann von dem Bündnis. Die Lösung greife die Abfallbehälter an, zersetze sie und transportiere strahlende und giftige Stoffe unkontrolliert durch das Bergwerk. Schon nach 60 Jahren müsse man damit rechnen, dass Radionuklide durch das Deckgebirge nach oben austreten. "Von der geforderten Langzeitsicherheit kann hier überhaupt keine Rede sein." In dieser Form müsse die Vollverfüllung umgehend aus dem Vergleich der Schließungsvarianten gestrichen werden, forderte Hoffmann.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als Betreiber prüft derzeit drei Optionen, wie die Schachtanlage im Landkreis Wolfenbüttel sicher und dauerhaft verschlossen werden kann. Bei der "Rückholung" würden die 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Atomabfällen aus der Tiefe geborgen und möglicherweise in den Schacht Konrad in Salzgitter gebracht. Eine zweite Option sieht die "Umlagerung" der Fässer in tiefere Schichten des Salzstocks vor. Bei der dritten Variante verbleiben die Abfallbehälter in ihren derzeitigen Lagerkammern. Das BfS spricht von "Verfüllung mit Spezialbeton", schränkt diese aber auf die "zugänglichen Bereiche" ein. Wo man mit Beton nicht hinkomme, etwa in die mit lockerem Salzgrus gefüllten Lagerkammern, helfe eben nur die Stabilisierung mit einer gesättigten Flüssigkeit, die das Salzgestein nicht angreife.

Die Machbarkeitsstudie zur Vollverfüllung sieht daher vor, den Teil des Bergwerks unterhalb von 700 Metern mit einer entsprechenden Lösung zu fluten - also einschließlich aller zwölf Lagerkammern mit den schwachradioaktiven Abfällen auf der 750-Meter-Sohle. Die knapp 1300 Fässer mit dem mittelradioaktiven Müll in einer Kammer auf der 511-Meter-Sohle wären davon nicht betroffen. "Das ist im Grunde das gescheiterte Konzept des Helmholtz Zentrums", sagte Andreas Riekeberg vom Koordinationskreis und warf dem BfS eine unzureichende Information der Öffentlichkeit vor. Der Ex-Betreiber Helmholtz Zentrum wollte die Asse freilich komplett mit der Magnesiumchlorid-Lösung fluten.

Das BfS wies die Kritik zurück. Man habe das Konzept der Vollverfüllung neben den beiden anderen umfassend vorgestellt. Eine Entscheidung über das endgültige Schließungskonzept sei noch nicht gefallen.

Autor:  Peter Mlodoch
Datum:  5 | 1 | 2010
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