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Streit um Fixerstube: Nicht ganz grün

Grünen-Parteichef Cem Özdemir hat Ärger wegen einer geplanten Fixerstube in seinem Haus.

"Wir sind nicht das Arschloch von Berlin!" Die Diskussionsveranstaltung, die Grünen-Parteichef Cem Özdemir am Freitagabend mitten in Berlin-Kreuzberg moderieren soll, trägt einen derben Titel. Und auch sonst dürfte der Umgangston nicht gerade gepflegt sein, wenn dort über den eskalierenden Konflikt mit der örtlichen Drogenszene gestritten wird. Der stört nun sogar auch den grünen Hausfrieden. Und Parteichef Özdemir wohnt mittendrin.

Politisch abstrakt geht es um den humanen Umgang mit Süchtigen. Politisch konkret geht um den Zwiespalt, dass sich Junkies nicht einfach in Luft auflösen oder ins Nirwana verdrängen lassen, aber niemand gern zugedröhnte Fixer oder benutzte Spritzen vor der eigenen Haustür hat.

Streitpunkt sind die rund 60 Junkies und Dealer, die sich in und um den U-Bahnhof Kottbusser Tor versammeln. Der "Kotti" ist ihr traditioneller Treffpunkt, aber das Pflaster ist rauer geworden, der Ton aggressiver. Fahrgäste, Anwohner und Geschäftsleute - darunter viele Migranten - fühlen sich zunehmend von den Fixern belästigt und belagert.

Unlängst haben sie eine "Initiative Kottbusser Tor" gegründet und dagegen demonstriert, dass die Hauptstadt ihr ungelöstes Drogenproblem hier ablädt. Prompt wurden sie von einer Gegeninitiative als Yuppies attackiert. Grünen-Chef Özdemir bot an, im Konflikt zu vermitteln. Doch nun hängt er mit drin.

Sein Parteifreund Franz Schulz, Bezirksbürgermeister von Kreuzberg, hat ihm ein Kuckucksproblem ins Nest gelegt. Unweit des "Kotti" wählte er ein einstmals besetztes Haus, in dem Özdemir mit Frau und Kind lebt, als Standort für eine Fixerstube aus.

Zumindest einige aus Özdemirs grün angehauchter Multi-Kulti-Hausgemeinschaft winken nun mit Verweis auf die vielen Kinder ab. Junkie-Treffpunkt ja, aber nicht bei uns. Doch die Fixer brauchen ein Domizil, denn der Vermieter ihres bisherigen "Druckraums" will sie raus haben.

Cem Özdemir scheint nicht gerade amüsiert, dass Parteifreund Schulz ihn nun als Privatier und Politiker zwischen alle Stühle setzt. Doch der Grünen-Chef bemüht sich weiter um Neutralität und Vermittlung - auch wenn der Haussegen schief hängt.

Autor:  VERA GASEROW
Datum:  27 | 2 | 2009
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