Bei den Unruhen in Teheran am Samstag haben die Sicherheitskräfte die Tochter des früheren Präsidenten Ali Akbar Haschemi Rafsandschani festgenommen. Faezeh Haschemi sei ebenso wie vier ihrer Verwandten verhaftet worden, als sie Demonstranten "aufgehetzt" habe, berichtete die Nachrichtenagentur Fars am Sonntag.
Im Wahlkampf hatte Präsident Mahmud Ahmadinedschad Rafsandschani, seiner Tochter und Sohn Mehdi Haschemi Betrug vorgeworfen. Vergangene Woche waren Faezeh und Mehdi an der Ausreise gehindert worden.
Die Rafsandschani-Familie zählt zu den reichsten im Iran. Hashemi Rafsandschani ist einer der Hauptstrippenzieher im aktuellen Machtkampf. Er und Mir Hussein Mussawi, den die protestierenden Massen nun zu ihrer Führungsfigur erkoren haben, gehörten bei der Islamischen Revolution zu den Männern der ersten Stunde. Der eine war zweimaliger Ministerpräsident in den achtziger Jahren, der andere zweimaliger Präsident in den neunziger Jahren. Sie sind die zentralen Gegenspieler von Ajatollah Ali Chamenei, dessen Macht sie gefährden könnten.
Rafsandschani ist Vorsitzender des 88-köpfigen Expertenrates, der den Obersten Religionsführer aus dem Amt jagen kann. Er und Mussawi fehlten beim Freitagsgebet in der Teheraner Universität. Und an beide adressierte Chamenei in seiner 90-minütigen Kampfpredigt ungeschminkte Warnungen. Mussawi drohte er mit Verhaftung, falls seine Anhänger weiter gegen das Wahlergebnis protestieren. Rafsandschani ließ er öffentlich wissen, er habe mit ihm "in vielen Punkten" Differenzen.
Spätestens seit Freitag geht es im Teheraner Machtkampf um den ideologischen Kern der iranischen Theokratie: Hat der Oberste Religionsführer in allen wichtigen Fragen das letzte Wort oder nicht? Mussawi beharrte am Wochenende in seiner Internetantwort auf Chamenei auf Neuwahlen und Rafsandschani fuhr offenbar nach Qom, um die Haltung der Klerikerelite auszuloten.
Allerdings ist der Wandel rasant, den Mussawi durchgemacht hat: Innerhalb von wenigen Wochen wurde aus dem farblosen Systeminsider ein politisches Idol der iranischen Jugend. Persönlich aufgetreten ist er seit Tagen nicht mehr - die ihm zugeschriebenen Erklärungen wurden alle über seine Website verbreitet. So hoch sind die Erwartungen und Hoffnungen, die inzwischen auf ihm ruhen, dass sogar man Zweifel haben kann, ob er das so beabsichtigt hat. Unklar ist denn auch, wie weit er gewillt ist, für die demokratischen Hoffnungen seiner Anhänger zu gehen.
Demokratischer Flaschengeist
"Wir sind nicht gegen das islamische System und seine Gesetze. Wir sind nur gegen Lügen und Abweichungen, und wir wollen das System reformieren", beschwor Mussawi seine Anhänger am Samstag in einer Internetbotschaft - als ließe sich der demokratische Geist wieder in die Flasche zurückdrängen. Seine Mitarbeiter ließen durchsickern, Mussawi sei bereit, sein Leben zu opfern. Sollte er verhaftet werden, rufe er die Bevölkerung in diesem Falle zum Generalstreik auf. mit dpa
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