In Deutschland leben etwa 3,8 bis 4,3 Millionen Muslime. Sie machen rund fünf Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die am morgigen Donnerstag in Berlin beim vierten und für diese Legislaturperiode letzten Plenum der Deutschen Islamkonferenz vorgestellt wird. Bisher waren Schätzungen von 3,1 bis 3,4 Millionen Muslimen ausgegangen.
Das Bundesinnenministerium verbreitete Teile der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" vorab. Die neuen, höheren Zahlen erklärt die Studie damit, dass jetzt erstmals mehr Herkunftsländer und außerdem auch die Nachkommen eingebürgerter Muslime berücksichtigt wurden. Mehr als die Hälfte, nämlich 2,5 bis 2,7 Millionen, haben türkische Wurzeln. Je etwa 600 000 stammen aus Südosteuropa und aus arabischen Staaten.
Jeder Zweite ist Deutscher
Besonders bemerkenswert: Der Islam ist dabei, sich einzubürgern - 45 Prozent der muslimischen Migranten, also an die zwei Millionen, haben inzwischen einen deutschen Pass.
Außerdem: Die gern mit Allgemeinvertretungsanspruch auftretenden muslimischen Dachverbände sprechen nur für knapp 25 Prozent der Muslime hierzulande. Das BAMF befragte für die repräsentative Untersuchung 6000 Personen über 16 Jahren.
Vier von fünf Befragten stufen sich als gläubig bis sehr gläubig ein - das entspricht anderen Religionen. Was aber ein Moslem zu tun hat, darüber herrscht ein buntes Bild: So beten etwa türkischstämmige Muslime weniger als Nordafrikaner, obwohl sie sich als genauso fromm einstufen. Drei von zehn Iranern bezeichnen sich als "nicht gläubig", trotzdem halten sich 90 Prozent an Fastengebote. So können Religion, Tradition und schlichte Gewohnheit ineinander fließen.
Das Kopftuch stirbt aus
Laut Studie spielt das Reizthema Kopftuch unter den Muslimen bei weitem nicht die Rolle, die ihm in der Öffentlichkeit beigemessen wird. Demnach ist das umstrittene Kopftuch muslimischer Mädchen und Frauen ein langsam aussterbendes Phänomen. Frauen und Mädchen der zweiten Generation legen es seltener an als die der ersten; sogar jede zweite stark gläubige Frau sagt, sie trage es nie. Konflikte um die Teilnahme muslimischer Mädchen an Schwimmunterricht und Klassenfahrten sind seltener als oft angenommen: Eine Minderheit von sieben bis zehn Prozent bleibt solchen Angeboten fern. Die Islamkonferenz will dazu eine Empfehlung beschließen.
Anhaltende "strukturelle" Integrationsdefizite hat das Bundesamt bei der Schulbildung erhoben: Muslime erreichen im allgemeinen schlechtere Schulabschlüsse als ihre Landsleute mit anderer Religion. Das Ministerium betont, dafür sei nicht die Religion verantwortlich, sondern die Tatsache, dass Gastarbeiter vergangener Jahrzehnte häufig aus bildungsfernen Schichten kamen. Zur Bildungsmisere der muslimischen Migranten ist allerdings von der Islamkonferenz kein besonderer Impuls zu erwarten.
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