In der Nähe von Atomkraftwerken besteht für Kinder und Jugendliche ein deutlich höheres Risiko, an Blutkrebs zu erkranken. Bei Kindern unter 14 Jahren, die im näheren Umkreis eines AKW lebten, liegt die Gefahr, Leukämie zu bekommen, 13 Prozent über dem Durchschnitt ihrer Altersgenossen. Bei Säuglingen und Kindern unter fünf Jahren war das Erkrankungsrisiko um das Fünffache höher als normal.
Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Bremer Epidemologen Eberhard Greiser im Auftrag der Grünen. Greiser hat in einer "Meta-Analyse" Daten aus den Krebsregistern und Statistiken fünf verschiedener Länder ausgewertet. Insgesamt wurden Daten aus dem Umkreis von 80 AKW untersucht. In Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA registrierte der Wissenschaftler im Abstand von 20 bis 50 Kilometern zu einem Atommeiler bis zu 24 Prozent mehr Leukämie-Fälle bei Kindern.
Diese Befunde seien zwar "kein Kausalbeweis", dass die Erkrankungen auf die Atommeiler zurückzuführen seien, sagte Greiser am Freitag bei der Vorstellung der Analyse. "Aber eine derartige Risiko-Erhöhung ist als ganz erheblich zu betrachten."
In Deutschland hatte vor zwei Jahren die große Studie "Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken" (KIKK) ein deutlich erhöhtes Leukämie-Risiko für Kleinkinder im Fünf-Kilometer-Umkreis von Atommeilern festgestellt. Mit wachsender Entfernung der elterlichen Wohnung zum Reaktor sank auch das Erkrankungsrisiko, hatten die renommierten Forscher analysiert. Einen unmittelbaren Ursachen-Zusammenhang zwischen Erkrankung und möglicher radioaktiver Belastungen durch die nahen Atommeiler sahen die Forscher mehrheitlich jedoch nicht als erwiesen an.
Die in ihrer Methodik und Datenfülle bis dahin einzigartige KIKK-Studie hatte in Deutschland heftige Kontroversen ausgelöst. Auch die Autoren der Studie und ein Expertengremium stritten sich über die Auslegung der alarmierenden Ergebnisse. Weitere Nachforschungen, die zunächst vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegeben worden waren, verliefen bisher jedoch im Sande. Die neue Studie erweitert jetzt die deutschen Befunde durch internationale Daten - und kommt im Ländervergleich zu ähnlich erschreckenden Ergebnissen. Die Grünen urteilten, mit der Studie hätten sich die Indizien verstärkt, dass Atomkraftwerke auch im Normalbetrieb zu viel Radioaktivität freisetzten. Vor allem der Einfluss von schwacher Strahlung auf Embryos und Kleinkinder müsse dringend erforscht werden.
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