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04. Juni 2014

Studie: Jeder fünfte Deutsche ist ausländerfeindlich

 Von 
Roma-Festivals wie dieses, das im Mai in Prag stattfand, sollen informieren und das Miteinander verbessern.  Foto: rtr

Nach einer Studie geht das rechtsextreme Denken in Deutschland zurück – der Hass gegen einzelne Gruppen jedoch wächst. Vor allem Sinti und Roma und Muslime sind verhasst.

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Es ist eine Frage der Perspektive, was eine gute Nachricht ist. Sicher ist es gut, dass die Zahl der Menschen hierzulande, die ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild haben, offenbar schrumpft: Etwa jeder Zwanzigste (gut fünf Prozent) denkt noch so, fanden Wissenschaftler der Universität Leipzig heraus. 2002 sei es noch jeder Zehnte gewesen, sagte Mitautor Oliver Decker bei der Vorstellung der Studie „Die stabilisierte Mitte“ am Donnerstag in Berlin. Allerdings sind fünf Prozent, bezogen auf eine Wahlbevölkerung von gut 60 Millionen, immer noch gut drei Millionen Menschen. Hinzu kommt ein besorgniserregender Trend: Die Ablehnung gegenüber bestimmten Migrantengruppen wie Sinti und Roma, Asylsuchende und Muslime wächst deutlich.

Ruf nach „starker Partei“

Seit 2002 untersucht eine Arbeitsgruppe um Decker und Elmar Brähler an der Leipziger Uni rechtsextreme Einstellungen hierzulande. Für die sogenannten „Mitte-Studien“ nehmen die Forscher im Zwei-Jahres-Rhythmus repräsentative Erhebungen vor. In diesem Jahr wurden knapp 2500 Menschen befragt.

Ausländerfeindlich denken demnach immer noch 20 Prozent der Bundesbürger. Einzelnen Aussagen wie „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maße überfremdet“ stimmten sogar 31,5 Prozent zu. Etwa jeder Sechste (17,2 Prozent) findet, dass Deutschland jetzt „eine einzige starke Partei braucht, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“, aber nur 54 Prozent sagen Ja zur Demokratie, wie sie in der Bundesrepublik funktioniert.

Dabei sind Ausländerfeindlichkeit und Chauvinismus der Studie zufolge in Ostdeutschland deutlich stärker verbreitet als im Westen. Und, im Parteienvergleich, bei Anhängern der Alternative für Deutschland (AfD): Jeder zweite AfD-Wähler denke ausländerfeindlich. Insgesamt machten die Forscher einen hohen Anteil Unentschiedener aus, der bis zu einem Drittel der Befragten reichte. Laut Brähler zeigt das „die immerhin latente Bereitschaft vieler Menschen, rechtsextremen Aussagen zuzustimmen“.

Gegen Zuzug von Muslimen

Die wachsende Ablehnung bestimmter Migrantengruppen arbeiten die Leipziger Wissenschaftler heraus, indem sie ihrer Studie Resultate des Langzeitprojektes „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ der Universität Bielefeld gegenüberstellen. So sind heute mehr als 36 Prozent der Meinung, dass Muslimen „die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden sollte“. 2009 waren es noch gut 21 Prozent.


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Dass Sinti und Roma aus den Innenstädten verbannt gehören, denkt fast jeder Zweite (2011: knapp 28 Prozent). Asylbewerber werden noch stärker abgewertet: Drei von vier Befragten sind dagegen, dass der Staat ihre Asylanträge großzügig prüfen sollte.

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Forscher Decker sieht mit den Werten eine „autoritäre Dynamik“ bestätigt. Nicht Migranten im Allgemeinen würden abgelehnt: „Viele Deutsche denken nun: Die bringen uns was. Aber jene, die die Fantasie auslösen, sie seien grundlegend anders oder hätten ein gutes Leben ohne Arbeit, ziehen die Wut auf sich.“

Das wichtigste Mittel gegen rechtsextreme Haltungen liefert die Studie schließlich auch: Bildung sei die beste Vorbeugung. Befragte mit Abitur nämlich schnitten in allen Bereichen deutlich besser ab als Menschen mit niedrigerem Abschluss.

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