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01. Dezember 2009

Studie: Mehr Hass als Ideologie

Biografien rechter Schläger gleichen denen anderer Gewalttäter. Für ihre Taten werden als Erklärung Fremdenfeindlichkeit und dissoziales Verhalten angeführt.

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Berlin. Die überwiegende Anzahl aller rechtsextremen Gewalttaten (85 Prozent) ist nach einer Studie des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung auf Vorurteile und Hass gegenüber bestimmten Gruppen zurückzuführen. Nur 15 Prozent der Gewaltdelikte seien politisch-ideologisch motiviert, heißt es in einem am Dienstag in Berlin vorgestellten Bericht der Arbeitsstelle Jugendgewalt und Rechtsextremismus am Zentrum für Antisemitismusforschung.

Praktiker der Extremismusbekämpfung dürften sich schwertun mit dieser Unterscheidung. Im rechtsextremen Milieu werden rassistische Vorurteile ideologisch gerechtfertigt; der politische Gegner ist als "linke Zecke" oder "langhaariger Gammler" stark emotional besetzt.

Die Autoren der mehr als 120 Seiten starken Studie im Auftrag der Berliner Landeskommission gegen Gewalt erklären die Trennung zwischen Hass und Ideologie so: Die Beweggründe der Täter lägen oft in einer diffusen Fremdenfeindlichkeit und in Dynamiken, wie sie auch für nicht-politische Gewalttaten üblich seien. In den Biografien der Täter fänden sich oft viele frühe Ansatzpunkte für "dissoziales Verhalten" und große Überschneidungen zwischen allgemeiner nicht-politischer Gewalt und politischer Gewaltkriminalität.

Die Autoren unterscheiden zwischen zwei großen Tätergruppen. Rassistisch-antimigrantische Gewalt werde überwiegend von älteren und einzeln agierenden Tätern ausgeübt, die kaum in der rechtsextremen Szene verankert sind. Gewalttaten gegen politische Gegner oder Angehörige nicht-rechtsextremer Kulturen gehen dagegen von jüngeren Tätern aus, die zudem häufig bereits polizeibekannt sind.

Die Wissenschaftler ziehen einen gewagten Schluss: Die Prävention rechtsextremer Gewalt müsse sich in großen Teilen nicht von der Prävention allgemeiner Gewaltkriminalität unterscheiden. Gegen die Gruppe der älteren und Einzeltäter gebe es kaum ein angemessenes Instrumentarium. Wichtig sei jedoch, jede Art von entsprechenden Gewalttaten laut und öffentlich zu stigmatisieren. Die jüngeren Täter könnten dagegen über Bildungseinrichtungen und Jugendhilfe erreicht werden. Voraussetzung sei aber, die Grundversorgung mit Einrichtungen der offenen Jugendarbeit zu verbessern.

Die Autoren empfehlen, den Blick nicht nur auf die rechtsextremen Straftaten von "Herkunftsdeutschen" zu fokussieren. Rechtsradikale Täter ohne Migrationshintergrund stellten nur einen Ausschnitt aus der Gesamtmenge aller Straftaten dar, die sich aus Vorurteils- oder politischen Gründen gegen Angehörige anderer gesellschaftlicher Gruppen richten. (epd/olk)

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