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Studie: Wackelstaaten sind größte Gefahr

London. Die Staaten der westlichen Welt müssen in Sicherheitsfragen umdenken: Die größte Gefahr droht ihnen nicht von anderen großen Staaten, sondern von "schwachen Ländern", die Terroristen und internationalen Verbrecherbanden Unterschlupf gewähren und militärisch nicht zu kontrollieren sind. Das ist der Kernpunkt einer Studie des Londoner Internationalen Forschungsinstituts für Öffentliche Politik (IPPR), das deshalb eine sehr viel intensivere Diplomatie der industrialisierten Welt für erforderlich hält.

Der IPPR-Report geht davon aus, dass mehr als zwanzig "schwache oder kriselnde Staaten" mit insgesamt 880 Millionen Bewohnern heute das Hauptproblem für die Sicherheit von Ländern wie Großbritannien oder Deutschland darstellen. Dazu zählt das Institut etwa das nuklear bewaffnete Pakistan, energiereiche Staaten wie Nigeria, Somalia, wo El Kaida sich mit Piraterie verbinde, und Länder wie Äthiopien, Simbabwe, Haiti, Bangladesh, Afghanistan oder der Jemen. Dort entwickelten sich ständig neue Gefahren für die Welt, durch Konflikte, Kriminalität, Terrorismus und Atomwaffenweitergabe. Internationale Verbrecher-Netze nutzten die Instabilität für den Handel mit Drogen, Waffen und Menschen. In Staaten wie Mali, dem Tschad oder dem Sudan sei es praktisch unmöglich, "infiziertes" Territorium zu überwachen und zu sichern.

Die IPPR-Studie wurde unter Leitung des früheren Nato-Generalsekretärs Lord Robertson und des Ex-UN-Gesandten Lord Ashdown erstellt. Sie kommen zu dem Schluss, dass die neuen Verhältnisse "die alten Politik-Rezepte in Frage stellen". Mehr als auf militärische Mittel müsse man in Zukunft auf diplomatische Aktionen und auf finanziellen und wirtschaftlichen Beistand für die Wackelkandidaten unter den Staaten bauen - zumal "massive globale Armut" das Problem mit verursacht habe.

Dem britischen Premier Gordon Brown empfiehlt das IPPR, das eigene Sicherheits-Verständnis zu überprüfen, zusammen mit der neuen US-Administration eine regionale Friedenskonferenz zu Afghanistan einzuberufen, an der Seite Barack Obamas energischer für eine atomwaffenfreie Welt zu streiten und im eigenen Kabinett den neuen Posten eines Staatssekretärs für Sicherheitsdiplomatie zu schaffen. Sicherheit im 21. Jahrhundert sei nicht mehr nur Angelegenheit des Verteidigungsministeriums, sondern "eine ressortübergreifende Aufgabe", erklärte Lord Robertson.

Autor:  PETER NONNENMACHER
Datum:  29 | 11 | 2008
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