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27. August 2014

Suizid-Beihilfe: Ärzte legen Entwurf für Sterbehilfe vor

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Eine Krankenschwester hält während der Visite auf einer Palliativstation in einem deutschen Krankenhaus die Hand eines Patienten.  Foto: epd

Grundsätzlich soll die Sterbehilfe verboten werden. Ausnahmen soll es nur für zwei Gruppen geben: Ärzte und Angehörige sollen von der Strafverfolgung ausgeschlossen werden.

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Eine Gruppe von Medizinern und Ethikern hat einen Gesetzentwurf präsentiert, der in Ausnahmefällen Ärzten die Beihilfe zum Suizid erlaubt. Demnach würde jede Beihilfe zur Selbsttötung künftig unter Strafe gestellt werden. Ausnahme: Ärzte und Angehörige sollen von der Strafverfolgung ausgeschlossen werden. „Es ist wissenschaftlich längst belegt, dass es auch bei bester Palliativversorgung Menschen gibt, die mit Berechtigung sagen, das, was mir noch bevorsteht, möchte ich nicht erleben‘“, erklärte der Palliativmediziner Gian Domenico Borasio. Die Beihilfe sehen die Wissenschaftler nur für Schwerkranke mit einer begrenzten Lebenserwartung vor, der Patient müsse seinen Wunsch freiwillig äußern und umfassend über andere palliativmedizinische Möglichkeiten aufgeklärt worden sein. Jede Werbung für Suizid-Beihilfe wollen die Mediziner verbieten, Sterbewillige müssen eine Bedenkzeit von zehn Tagen einhalten.

„Wir wollen, dass Menschen, die für sich selbst keinen anderen Ausweg als die Selbsttötung sehen, in einem vertrauensvollen Gespräch mit ihrem Arzt Alternativen aufgezeigt bekommen, letztlich aber auch von ihrem Arzt in den Tod begleitet werden dürfen“, ergänzte der Medizinrechtler Jochen Taupitz. Die Mediziner mögen mit ihrem Vorstoß die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich haben, bei ihren Kollegen stießen sie aber auf Kritik.

"Keine ärztliche Aufgabe"

„Die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung ist keine ärztliche Aufgabe“, erklärte der Chef der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, wenn der Gesetzentwurf Realität würde, würde die Suizidbeihilfe zum Regelangebot des Arztes.

„Der Gesetzentwurf beschränkt die Suizidbeihilfe zwar auf unheilbar kranke Menschen mit begrenzter Lebenserwartung“, sagte Vorstand Eugen Brysch. Zugleich werde aber deutlich, wie unbestimmt solche Kriterien seien. So gingen die Wissenschaftler davon aus, dass eine Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren die Suizidhilfe rechtfertigt. „Das zeigt, dass es keine allgemeingültigen Kriterien für das Leiden gibt“, argumentierte Brysch.

Zuspruch kam von der SPD-Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales. „Ich finde, der Gesetzentwurf ist ein hilfreicher Beitrag für unsere Debatte. Ob die Vorschläge juristisch tragen, muss noch geprüft werden.“ Grundsätzlich wichtig sei aber der Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung. Für ein generelles Verbot plädieren vor allem Unionspolitiker. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe lehnt den Vorstoß der Mediziner ab. „Das ärztliche Standesrecht verbietet diese Beihilfe und ich begrüße das“, sagte der CDU-Politiker beim Besuch eines Palliativzentrums in Chemnitz.

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