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23. Januar 2015

Suizid in Griechenland: Der Preis der Sparprogramme

 Von 
Trauernde in Athen gedenken eines Mannes, der sich selbst tötete.  Foto: REUTERS

Eine Studie untersucht die Auswirkungen der Austeritätspolitik auf die Häufigkeit von Suiziden in Griechenland. Während bei den Frauen keine Unterschiede nachzuweisen sind, ist die Suizidrate bei älteren Männer deutlich gestiegen.

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Eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien sorgte im vergangenen Jahr für viel Aufsehen: Die Wissenschaftler Nikolas Antonakakis und Allan Collins haben die Auswirkungen der Austeritätspolitik auf die Häufigkeit von Suiziden in Griechenland untersucht.

Die These ihrer Studie, wonach es diesen Zusammenhang tatsächlich gibt, scheuchte konservative Kreise auf; das „Forbes“-Magazin kritisierte die Schlussfolgerungen der Studie, aus der die hier gezeigte Grafik stammt. Die vorliegenden Daten der Suizide bis 2012 seien unzureichend, um eindeutig zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass die strenge Sparpolitik für die Suizide verantwortlich sei. Zugleich bestätigte „Forbes“, dass der plötzliche Anstieg der Suizidrate nicht nur in Griechenland, sondern europaweit im Zusammenhang der Finanz- und der darauf folgenden Wirtschaftskrise zu beobachten war. Der ideologisch wirkende Streit dreht sich also darum, ob die Troika-Vorgaben nun Menschen in den Tod trieben.

Auffällig ist, dass besonders Männer der Altersgruppe 45-89 Suizid begangen hatten, schreiben die Autoren der Studie zu Griechenland. Sie führen das unter anderem darauf zurück, dass die Sparpolitik und der Arbeitsplatzabbau die Altersgruppe der 45- bis 65-Jährigen besonders stark traf. Für Frauen konnten die Autoren den Zusammenhang zwischen der Wirtschaftskrise und Suizid nicht nachweisen, die Suizidrate unter Frauen hat sich kaum verändert. Das belegen auch Daten der Weltgesundheitsorganisation von 2000 und 2012; die Suizidrate ist danach nahezu identisch (1,3 Fälle pro 100 000 Frauen bzw. 1,2 pro 100 000).

Die Autoren der Griechenlandstudie verweisen darauf, dass Arbeitslosigkeit für Frauen sogar zu einer niedrigeren Selbstmordrate führe, ein Phänomen, das auch aus Japan bekannt sei. Ebenso scheint sich eine Scheidung in der Altersgruppe der 65- bis 89-Jährigen bei Frauen positiv auszuwirken – es gibt weniger Suizide bei Frauen in dieser Altersgruppe nach einer Scheidung. „Das scheint plausibel, wenn die Ehen das Leben der Frauen zu sehr bestimmten“, heißt es in der Studie.

Emigration scheint ebenso zu einer Reduzierung der Suizidraten beizutragen. Familien, aus denen junge Menschen bis 24 Jahre ins Ausland gegangen waren und Geld nach Hause schicken konnten, hatten ein geringeres Risiko, dass jemand Suizid beging.

Die Studie soll nach dem Willen der Autoren helfen, eigens auf die Betroffenen abgestimmte Hilfe gegen Suizide anzubieten. Nach Angaben der Weltgesundheitsbehörde haben 2012 weltweit rund 80.000 Menschen Suizid begannen.

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