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18. Oktober 2013

Suizidhilfe Niederlande: Sterbehilfe weiter liberalisieren

 Von Benjamin Dürr
In einem deutschen Hospiz.  Foto: dapd

Ein Mann ist in den Niederlanden wegen Sterbehilfe für seine Mutter angeklage. Die zuständige Staatsanwaltschaft äußert Verständnis und fordert eine milde Strafe. Der Fall könnte die Grenzen der Sterbehilfe neu definieren - auch in Deutschland.

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Ein Mann ist in den Niederlanden wegen Sterbehilfe für seine Mutter angeklage. Die zuständige Staatsanwaltschaft äußert Verständnis und fordert eine milde Strafe. Der Fall könnte die Grenzen der Sterbehilfe neu definieren - auch in Deutschland.

Sterbehilfe ist in den Niederlanden an strenge Bedingungen geknüpft, nur Ärzte dürfen Leben beenden. Nun steht ein Mann vor Gericht, der seiner Mutter beim Suizid geholfen hat. Der Fall könnte zur weiteren Liberalisierung der Praxis führen .

„Sie war eine zufriedene Frau, bis zum Schluss“, sagt Albert Heringa über seine Mutter Maria. Mit 99 Jahren beendete sie ihr Leben. „Sie hatte das Gefühl, genug vom Leben gehabt zu haben.“ Doch weil sie nicht unheilbar krank war oder unerträglich litt, erfüllte sie nicht die Bedingungen, unter denen Sterbehilfe in den Niederlanden erlaubt ist. Die Ärzte verweigerten sich ihrem Wunsch zu sterben. Deshalb half Albert Heringa seiner Mutter beim Suizid – und steht nun vor Gericht. Am 22. Oktober soll das Urteil gesprochen werden.

Pillen im Joghurt

Der Fall Heringa könnte die Grenzen der Sterbehilfe neu definieren. Die Richter müssen die Frage beantworten, ob auch gesunde, alte Menschen, die ihr Leben als vollendet betrachten, ein Recht auf Sterbehilfe haben. Schätzungen zufolge gibt es jährlich mehrere Hundert solcher Fälle, in denen Familienangehörige beim Suizid helfen – bisher illegal. Albert Heringa ist der Erste, der deshalb angeklagt wurde.

An einem Samstagabend im Juni 2008 besuchte er seine Mutter Maria zum letzten Mal. Albert Heringa, 71, hatte lange in Westafrika gearbeitet und deshalb noch Anti-Malaria-Medikamente zu Hause. Er brachte die Schächtelchen mit ins Altenheim, dazu zwei verschiedene Sorten Schlafmittel, die in eine Schüssel Joghurt gegeben wurden. Maria Heringa löffelte alles selbst, ungefähr 130 Pillen schluckte sie. Sie schlief ein und wachte am nächsten Morgen nicht mehr auf.

Wie Maria „Moek“ Heringa gehe es vielen alten Menschen, sagt Stefanie Michelis von der Niederländischen Vereinigung für ein Freiwilliges Lebensende (NVVE). „Sie erfüllen die gesetzlichen Bedingungen nicht oder wollen nicht auf einen Arzt angewiesen sein.“ Die NVVE will eine Änderung des Gesetzes erreichen, so dass Hilfe beim Suizid auch für Angehörige nicht mehr strafbar wäre. Knapp 23.000 Menschen haben eine Petition dazu unterzeichnet. 40.000 Unterschriften sind nötig, um eine Debatte im Parlament zu erzwingen.

Präzedenzfall

Sollten die Richter Albert Heringa freisprechen, könnte das Urteil die Bewegung zur weiteren Liberalisierung der Sterbehilfe beschleunigen. Für die Staatsanwaltschaft geht es um die Aufrechterhaltung von Normen: „Hilfe zur Selbsttötung außerhalb der gesetzlichen Vorschriften kann nicht straflos bleiben, auch wenn sie mit den besten Absichten geschieht“, teilt die zuständige Staatsanwaltschaft mit.

Die Anklage ist überzeugt, dass Albert Heringa aus Nächstenliebe gehandelt habe. „Er wollte seine Mutter, bei ihrem ausdrücklichen Wunsch zu sterben, nicht im Stich lassen.“ Trotzdem fordert sie drei Monate Haft auf Bewährung, weil die Durchsetzung von geltenden Gesetzen wichtig sei.

Dass Albert Heringa überhaupt angeklagt wurde, liegt an ihm selbst: Um einen Beweis zu haben, dass seine Mutter Maria die Pillen selbst nahm, hat er den Abend gefilmt. Dann stellte er einen Teil seiner Aufnahmen für einen Film zur Verfügung. Erst danach wurde die Staatsanwaltschaft aufmerksam. Es dauerte fast drei Jahre, bis es zu Ermittlungen kam. (epd)

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