Selten herrschte soviel Einigkeit wie nach dem tödlichen Anschlag am Mittwoch in Damaskus, bei dem vier Mitglieder des syrischen Führungszirkels getötet worden waren. „Heute ist ein Wendepunkt in der Geschichte Syriens“, sagt der Chef des syrischen Nationalrates in Istanbul, Abdelbasset Seida. Der letzte Akt des Dramas habe begonnen, erklärte Ribal al Assad, Chef der in London ansässigen Organisation für Demokratie und Freiheit in Syrien. Von einem Angriff auf das Herz des Systems, einem schweren Schlag gegen Assad sprachen am Donnerstag auch andere Oppositionelle. Experten aber warnen: Das Regime dürfte nun „viel gewalttätiger, rücksichtsloser und brutaler werden“, sagte Patrick Seale, Autor einer Biografie über Assads Vater Hafes.
In Syrien und auch in der Hauptstadt Damaskus eskalierten denn auch am Donnerstag die Kämpfe zwischen Aufständischen und den Truppen von Präsident Baschar al-Assad. In Damaskus soll die Regierung inzwischen Artillerie und Kampfhubschrauber gegen die Rebellen einsetzen und alle Reservisten einziehen. Soldaten hätten Viertel umstellt, Scharfschützen auf den Dächern postiert. Einwohner von Damaskus, die sich bislang in der Stadt relativ sicher fühlten, berichteten am Donnerstag von Kämpfen in Sichtweite des Präsidentenpalastes und des Regierungsviertels.
Westliche Reporter meldeten, auch im Zentrum von Damaskus herrsche angespannte Ruhe: Einwohner seien kaum zu sehen und nur wenige Autos unterwegs. Hunderte Familien seien auf der Flucht, fänden aber keinen Schutz. Für Angst und Verwirrung sorgte ein Bericht des syrischen Staatsfernsehens, in dem vor Bewaffneten gewarnt wurde, die in Militäruniformen Anschläge verüben würden.
UN-Resolution scheitert an Veto
In New York scheiterte unterdessen am Donnerstagnachmittag der dritte Anlauf, sich auf eine Resolution zu einigen, weil Russland und China erneut ihr Veto einlegten. Der britische Entwurf sah Sanktionen vor und hätte unter Bezug auf Kapitel VII der UN-Charta auch eine Militärintervention legitimiert. Der Leiter der UN-Beobachter in Syrien, Robert Mood, hatte schon zuvor geklagt, seine Mission sei „sinnlos“, so lange es keinen politischen Prozess zur Lösung des Konflikts gebe.
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