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10. Februar 2012

Syrien-Konflikt: Die Türkei greift immer aktiver in die Syrien-Krise ein

 Von Frank Nordhausen
Schulunterricht für syrische Flüchtlingskinder im Lager Boynuyogun im Südosten der Türkei  Foto: reuters/MURAD SEZER

Die Türkei greift ein in die Krise des Nachbarlandes: Während syrische Truppen weiter massiv gegen Aufständische vorgehen, versuchen türkische Diplomaten einen neuen Friedensplan auf den Weg zu bringen.

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Istanbul –  

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Um den Druck auf das Assad-Regime zu erhöhen, will der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu dazu eine internationale Syrienkonferenz mit allen wichtigen Akteuren organisieren. „Alle Länder, die über die Lage in Syrien besorgt sind, müssen nach einer Lösung suchen“, sagte Davutoglu. Die Gespräche müssten so schnell wie möglich geführt werden.

Ankara ist wegen der möglichen geopolitischen Folgen eines Bürgerkriegs in Syrien extrem beunruhigt. Kein Land in der Region hat sich so deutlich von Damaskus abgesetzt wie die Türkei, deren Vermittlungsversuche im vergangenen Sommer scheiterten. Inzwischen scheint Ankara von einem baldigen Ende Assads auszugehen. „Syrien ist an einem Punkt angekommen, an dem es kein Zurück mehr gibt“, sagte Staatspräsident Abdullah Gül am Montag. „Das Beste, dass Assad jetzt noch für sein Land und sein Volk tun kann, ist, zurückzutreten und die Veränderungen zu akzeptieren.“

Zugleich sendet die Türkei Signale der Solidarität an die Aufständischen. Nicht nur beherbergt sie rund 10.000 Flüchtlinge in Lagern nahe Antakya. Sie gestattet auch, dass Oberst Riad al-Asaad, Kommandeur der Freien Syrischen Armee (FSA), dort der Weltpresse Interviews gibt.

FSA fordert türkische Truppen

Dennoch klagt die FSA immer wieder über mangelnde militärische Unterstützung durch die Türkei. Sie fordert seit Monaten vergeblich, türkische Truppen sollten eine Pufferzone auf syrischem Gebiet einrichten, von der aus sie die Truppen von Präsident Baschar al-Assad angreifen will. Die Rebellenarmee operiere daher derzeit vor allem vom Libanon aus, verlautet aus syrischen Rebellenkreisen in Istanbul; dort werde sie von sunnitischen Anhängern des 2005 ermordeten Präsidenten Rafik al Hariri unterstützt.

Seit einer Woche nun verschärft Ankara den Ton. Auf der Münchener Sicherheitskonferenz bot Außenminister Davutoglu „allen syrischen Flüchtlingen“ ohne Vorbedingungen Asyl an: „Wenn es nötig ist, nehmen wir sie in unseren Wohnungen auf.“ Die oppositionelle syrische Muslimbruderschaft durfte kürzlich ein offizielles Büro in Istanbul eröffnen.


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Wegen des harten Winters und syrischer Verstärkungen entlang der Grenze gelangen derzeit aber nicht viele Flüchtlinge in die Türkei. Die regierungsnahe türkische Zeitung Zaman spekulierte, Äußerungen Erdogans und Davutoglus, in Syrien würden (sunnitische) Muslime ermordet, und das Assad-Regime helfe der Kurdenguerilla PKK, könnten dazu dienen, die Öffentlichkeit auf ein militärisches Eingreifen vorzubereiten.

„Heftiger Beschuss, Schreie und Blut.“

Unklar ist, ob die Türkei sich nicht bereits in Syrien einmischt. Am Mittwoch behauptete der staatliche syrische TV-Sender El Alem, 49 türkische Agenten seien in Syrien geschnappt worden und beide Länder verhandelten heimlich über ihre Freilassung gegen die Auslieferung syrischer Rebellenführer aus der Türkei. Die Meldung wurde sofort dementiert.

Der Offensive des syrischen Militärs in Homs und Zabadani sollen laut exilsyrischen Kreisen in Istanbul auch am Donnerstag wieder zahlreiche Menschen zum Opfer gefallen sein. „Heftiger Beschuss, überall Schreie und Blut.“

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