Bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan ist am Donnerstag ein deutscher Soldat getötet worden. Sechs Bundeswehrangehörige wurden verletzt, zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr. Damit steigt die Zahl der in Afghanistan seit 2002 getöteten deutschen Soldaten auf 44.
Das Attentat ereignete sich nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr gegen 13.50 Uhr Ortszeit an einer Straße in der nordafghanischen Provinz Baghlan. Eine Bundeswehr-Patrouille, eingesetzt zur Sicherung einer Brücke auf der wichtigen Nachschubroute Richtung Kabul, wurde von einem Aufständischen attackiert. Dieser sprengte sich in der Nähe der deutschen Soldaten in die Luft.
Es seien sofort Rettungsmaßnahmen für die Verwundeten eingeleitet worden, teilte die Bundeswehr mit. Die verletzten Soldaten sollten am Nachmittag mit Hubschraubern in das deutsche Feldlager nahe der Ortschaft Pol-e-Khomri geflogen werden, hieß es. Die Taliban bekannten sich zu der Attacke und behaupteten, der Selbstmordattentäter habe acht ausländische Soldaten mit in den Tod gerissen. Der Wahrheitsgehalt dieser Darstellung war nicht zu überprüfen. Doch in der Regel übertreiben die Taliban.
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) machte den erneuten Anschlag auf deutsche Soldaten am Nachmittag während einer Sitzung des Bundestags in Berlin öffentlich. Debattiert wurde gerade die Verbesserung der Betreuung von Soldaten im Auslandseinsatz. Guttenberg sagte, der Soldat sei in einem Einsatz getötet worden, „der unserer Sicherheit dient und der in diesem Haus beschlossen wurde“. Es gehöre sich deswegen, dass der Bundestag auf diesem Wege von ihm informiert werde, sagte der Minister: „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Soldaten und ihren Familien.“ Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, der Tod des Soldaten erfülle ihn „mit Schock und tiefster Trauer“. Er sprach von einem „barbarischen Akt“, der sich nicht nur gegen die Bundeswehr richte, sondern gegen die große Mehrheit der Afghanen.
Der Anschlag vom Donnerstag ist der dritte in diesem Jahr, bei dem Bundeswehr-Soldaten getötet wurden. Im April starben innerhalb von zwei Wochen sieben Soldaten bei Attacken auf Patrouillen der Bundeswehr. Gerade die Region Baghlan entwickelte sich seither zu einem Schwerpunkt der Aufständischen. Sie versuchen, den Nachschub für die internationalen Streitkräfte zu behindern. Dieser läuft aus Usbekistan über die Straße in Richtung Salang-Pass und von dort weiter in die Hauptstadt Kabul.
Der Selbstmordanschlag gegen die Bundeswehr ereignete sich am neunten Jahrestag des Kriegsbeginns in Afghanistan. Der afghanische Präsident Hamid Karsai nahm in Kabul diesen Tag zum Anlass, um einen Friedensrat ins Leben zu rufen und die Taliban aufzufordern, der Gewalt abzuschwören. Der Rat setzt sich aus 70 Mitgliedern zusammen, die aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen stammen. Er soll unabhängig von der Regierung arbeiten und das Gespräch mit den radikal-islamischen Aufständischen im Land suchen.
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