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Tanklaster-Bombardement in Afghanistan: Schwere Vorwürfe gegen Bundeswehr

Laut Nato-Geheimbericht sollen bei dem Luftangriff auf Tanklaster wichtige Regeln nicht eingehalten worden sein. Scharfe Kritik übt die Nato an Ex-Verteidigungsminister Jung.

Beim  Angriff auf Tanklaster nahe Kundus, den ein deutscher Oberst bei der Nato angefordert hatte, kamen auch zivile Opfer ums Leben,
Beim Angriff auf Tanklaster nahe Kundus, den ein deutscher Oberst bei der Nato angefordert hatte, kamen auch zivile Opfer ums Leben,
Foto: dpa

Köln/London. In dem Nato-Bericht zur Aufklärung des von dem deutschen Oberst Georg Klein angeordneten Luftangriffs auf zwei entführte Tanklastwagen in Afghanistan werden offenbar schwere Vorwürfe gegen die Bundeswehr erhoben. Das berichtete die "Kölnische Rundschau" am Mittwoch unter Berufung auf den als geheim eingestuften Bericht. So hätten sich die US-Piloten der angeforderten Kampfflugzeuge fünf Mal versichert, ob sie die beiden entführten Tanklastzüge tatsächlich bombardieren sollen, obwohl wichtige Einsatzregeln für diesen Befehl nicht eingehalten würden.

Weiter wird in dem Nato-Bericht laut "Kölnischer Rundschau" darauf hingewiesen, es hätten sich zum Zeitpunkt des Angriffs weder Bodentruppen bei den Tanklastzügen aufgehalten, noch sei vor der Bombardierung das Hauptquartier der internationalen Isaf-Truppe eingeschaltet worden. Auch sei eine "Gefahr im Verzug", mit der Klein seine Anforderung begründet hatte, nicht nachvollziehbar gewesen, da die benzinbeladenen Lkw auf einer Sandbank am Ufer des Kundus-Flusses festsaßen. Darüber hinaus fiel der Isaf-Führung laut Bericht auf, dass ein afghanischer Nachrichtenermittler außergewöhnlich häufig, nahezu im Minutenabstand, betont habe, dass sich ausschließlich Terroristen an den Tanklastzügen aufhielten.

Spezial: Afghanistan

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Deutsche Soldaten in Afghanistan.
Deutsche Soldaten in Afghanistan.
Foto: Foto: dpa

Besonders scharfe Kritik übt die Nato laut "Kölnischer Rundschau" an der Kommunikation des Bundesverteidigungsministeriums. Es sei unverständlich, dass der damalige Minister Franz Josef Jung (CDU) und die Bundeswehr-Führung wider besseres Wissen noch zwei Tage nach dem Luftschlag erklärt hätten, dass es keine zivilen Opfer gegeben habe. Bei dem Angriff Mitte September nahe des nordafghanischen Kundus waren zahlreiche Menschen getötet worden, darunter auch Zivilisten. Der Nato-Bericht wurde vom Bundesverteidigungsministerium bislang nur Mitgliedern des Verteidigungsausschusses sowie den Fraktionschefs im Bundestag zugänglich gemacht.

Bundeswehrverband gegen Truppen-Aufstockung

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, lehnt eine Aufstockung des Truppenkontingents der Bundeswehr in Afghanistan ab. "Das richtige Vorgehen ist, wirklich mal zu bilanzieren, wo wir in Afghanistan stehen ­und zwar ohne Schönfärbung." Auf Grundlage dieser Erkenntnisse müssten dann die Schlussfolgerungen gezogen - und zwar für den militärischen wie für den zivilen Anteil des Einsatzes, sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Die Defizite nach acht Jahren Afghanistan seien groß, sagte Kirsch. "Die Bilanz sieht insgesamt nicht sehr gut aus." Die Bundesregierung will das Mandat, das eine Obergrenze von 4500 Soldaten vorsieht, im Dezember verlängern.

In der "Leipziger Volkszeitung" (Mittwoch) verlangte Kirsch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Anstoß zu einem "gesellschaftlichen Schulterschluss" zur Unterstützung und zur Solidarität mit der Truppe. "Wir brauchen einen Schulterschluss für und mit der Bundeswehr angesichts der gefährlichen Einsatzlage in Afghanistan", sagte der oberste Repräsentant der Soldatenvertretung.

Dazu könnten die Medien, die katholische Bischofskonferenz und die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ebenso einen Beitrag leisten wie Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Gewerkschaften. "Und Angela Merkel könnte und sollte für einen solchen Schulterschluss der Gesellschaft den Anstoß geben." (afp/ddp/dpa)

Datum:  4 | 11 | 2009
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