Die Mörder des 13-jährigen Matatizo kamen in der Nacht. Sie drangen in das Haus seiner Mutter im tansanischen Bukombe-Distrikt ein, fielen über den schlafenden Albino her und hackten ihm brutal die Beine ab. Seine Mutter, geweckt vom Lärm, fand ihn sterbend auf dem Boden, die Täter waren weg und hatten seine Beine mitgenommen. Die wollten sie mit fettem Profit verkaufen - denn Körperteile von Albinos, in Zaubertränken verarbeitet, gelten in Tansania als Glücksbringer.
Jetzt hat ein Gericht drei Männer wegen des Mordes an Matatizo zum Tode verurteilt. Der gestern bekannt gewordene Schuldspruch ist der erste überhaupt für einen Albino-Mord in Tansania - und damit ein erster Hoffnungsschimmer für die brutal stigmatisierten "weißen Schwarzen" im Land.
Sie leben in Todesangst, denn seit zwei Jahren rollt die Gewaltwelle: Rund 50 Albinomorde wurden registriert; Aktivisten wie Al-Shaymaa Kwegyir, selbst Albino, gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.
Tansanias Regierung tat sich lange schwer, gegen die Morde vorzugehen. Im Frühjahr schließlich wurde Präsident Jakaya Kikwete aktiv. Er berief Kwegyir persönlich als Abgeordnete und forderte die Bevölkerung auf, mutmaßliche Albino-Mörder zu melden. Hunderte wurden festgenommen, darunter viele traditionelle Heiler. Inzwischen sind einige Dutzend Verfahren anhängig.
Netzwerk von Schuldigen
Der Parlamentarierin Kwegyir macht das harte Vorgehen Mut. Sie sieht ein regelrechtes Netzwerk von Schuldigen: die Scouts, die Albinos aufspüren, die eigentlichen Mörder, die Verkäufer der Körperteile und die Konsumenten. Aber Strafen allein reichten nicht, sagt sie: "Der Nährboden des Aberglaubens ist die niedrige Bildung, den müssen wir austrocknen." Albinos leiden unter einem Gendefekt und haben zuwenig Farbpigmente in der Haut. Deshalb sind sie blass, extrem hautkrebsgefährdet und haben sehr lichtempfindliche Augen.
Tansania gilt als das Land mit den meisten Betroffenen weltweit - bis zu 200.000 sollen nach Schätzungen dort leben. Von Gewalt bedroht sind sie aber auch in anderen Ländern: Allein in Burundi wurden bereits elf Albino-Morde registriert. Das vielleicht prominenteste Beispiel für die Ächtung ist der Sänger Salif Keita aus Mali, der als Kind von seiner Familie verstoßen wurde. Er setzt sich inzwischen mit seiner Salif-Keita-Stiftung für Albinismus-Betroffene ein.
Inzwischen hat das Problem Europa erreicht: Im April strandete auf Teneriffa ein Flüchtlingsboot, in dem auch ein 18-jähriger Albino aus Benin saß. Der junge Mann, als Moszy bekannt, fühlt sich wegen seiner weißen Haut von Organhändlern bedroht und beantragte Asyl. Seine Chancen sind gut: Spaniens Regierung will den Antrag wohlwollend prüfen.
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