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Teheran: Nedas Sterben bewegt die Welt

Ein Video, das eine 16-Jährige aus Teheran beim Sterben zeigen soll, verbreitet sich im Internet wie ein Lauffeuer. Die junge Frau soll während einer Demonstration von einem Polizisten erschossen worden sein.

Ein Internetvideo soll die 16-jährige Neda beim Sterben zeigen.
Ein Internetvideo soll die 16-jährige Neda beim Sterben zeigen.
Foto: Screenshot

Neda lebt nicht mehr lange, nachdem sie von der Kugel getroffen worden ist. Vielleicht zwei Minuten. Vielleicht etwas weniger. So beschreibt es der Mediziner, der ihr helfen will und nicht helfen kann. Mit dem Arzt rennt jemand mit einem Foto-Handy zu der auf der Straße liegenden jungen Frau und filmt die letzten Sekunden ihres Lebens und speist seine Bilder ins Internet ein. Und so sehen wir auf www-Seiten, die Youtube heißen oder Facebook, wie die junge Teheranerin Neda stirbt, wie sich ihr Blut zum Schluss wie ein Netz über ihr Angesicht legt. Die Bilder sind grauenhaft. Wer sie auch nur einmal gesehen hat, vergisst sie nicht.

Der Todesschütze soll ein Milizionär gewesen sein, einer aus der berüchtigten Basidsch-Garde, die auf das Wort des Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad hört. Die Gardisten jagen Demonstranten, zu Fuß und auf Motorrädern, und knüppeln sie nieder. Und schießen. Weil es ein Büttel des Regimes gewesen sein soll, der Neda niederschoss, ist sie zum Symbol der grünen Revolte geworden, an deren Spitze Mir Hussein Mussawi steht.

Video von Nedas Tod

Das Video von Nedas Tod kann man bei Youtube ansehen. (Achtung: Es handelt sich um explizites Bildmaterial, das die Frau beim Sterben zeigen soll.)

Mussawi befeuert den Widerstand, als er am Samstag sagt, er sei bereit "Märtyrer" zu werden. Stunden danach soll das Martyrium ein Gesicht bekommen: Neda. Mindestens für den Moment ist die tote Frau das ikonografische Symbol des iranischen Aufstands - so wie es das Bild vom sterbenden Benno Ohnesorg für die Studentenbewegung war, aufgenommen von einem Fotografen in der Berliner Nacht des 2. Juni 1967 nach der von Jubelpersern angezettelten Straßenschlacht.

Das meiste, was wir über Nedas Tod wissen, wissen wir aus den Kommunikationsgruppen des Internets, entnehmen wir Twitter und anderen Netzen, die Kommentare einfangen und Augenzeugenberichte und vermeintliche Kommentare und falsche Augenzeugenberichte - und wir wissen auch in diesem Fall nicht, ob stimmt, was wir an dieser Stelle wiedergeben.

Am Samstagabend gegen 19 Uhr steht Neda mit ihrem Vater an der Kreuzung Khosravi- und Salehi-Straße im Zentrum Teherans, wo wie immer in den vergangenen Tagen Menschen gegen das Regime demonstrieren. Der Schuss, der sie tötet, kommt aus dem Gewehr eines Heckenschützen der Basidsch, der sich auf einem Hausdach auf die Lauer gelegt hat. So beschreibt besagter Arzt den Mord an der jungen Frau. Sein Bericht wird aber auch bestätigt von Hadi Ghaemi von der Internationalen Kampagne für Menschenrechte im Iran. Seine Organisation, sagt Ghaemi der FR, habe einen Augenzeugen befragt, der die Heckenschützenversion bestätige. "Das Video ist authentisch, daran habe ich keinen Zweifel", sagt Ghaemi, auch weil es ein weiteres zu dem Vorfall gebe.

Schnell verbreiten sich die Bilder von Nedas Sterbens im weltweiten Netz, schnell kondolieren Menschen in aller Welt, schnell wird die Straßenkreuzung als "Märtyrinnen"-Ort auf der Teheran-Karte bei Google markiert. Das Regime wird Neda, von der wir bisher nicht mal wissen, ob ihr Name stimmt, nicht mehr los.

Tweets zum Thema:

Autor:  Christoph Albrecht-Heider und Martin Gehlen
Datum:  21 | 6 | 2009
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