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Terror-Anschlag in Mumbai: Neue Verteidigung gesucht

Der Prozess wegen des Terroranschlags im indischen Mumbai wird vertagt. Das Gericht setzt überraschend die Pflichtverteidigerin Anjali Waghmare ab. Von Christine Möllhoff

Das Gericht setzt überraschend die Pflichtverteidigerin Anjali Waghmare ab.
Das Gericht setzt überraschend die Pflichtverteidigerin Anjali Waghmare ab.
Foto: afp

Neu Delhi. Als Ende November 2008 zehn Terroristen drei Tage lang in Indiens Film- und Finanz-Metropole Mumbai wüteten und über 170 Menschen töteten, ging sein Foto um die Welt: Der 21-jährige Pakistaner Ajmal Amir Kasab wurde zum Gesicht des Terrors. Am Mittwoch begann der Prozess gegen den einzig überlebenden Attentäter. Doch die Verhandlung platzte nach wenigen Minuten: Der Angeklagte, dem die Todesstrafe droht, stand plötzlich ohne Verteidigung da. Der Prozess wurde vertagt.

Das Gericht setzte überraschend die Pflichtverteidigerin Anjali Waghmare ab. Es warf ihr einen Interessenkonflikt vor. Angeblich soll sie auch einen Zeugen der Terror-Attacke vertreten. Waghmare bestritt dies - vergeblich. Sichtlich betreten verließ sie die Verhandlung. Der Vorfall ist seltsam. Die mit einem Polizisten verheiratete Anwältin riskierte ihr Leben, als sie Kasabs Mandat übernahm. Hindu-Fanatiker drohten ihr und ihrer Familie mit Mord, auch Kollegen verurteilten ihren Schritt.

Mumbai - Bombay

Die Nachrichtenagenturen in Deutschland verwenden für die früher Bombay genannte Metropole künftig den Namen Mumbai. Die FR schließt sich dieser Bezeichnung an. Bombay hieß die Stadt jahrhundertelang.

Der Name leitet sich ab von der portugiesischen Bezeichnung "Bom Bahia" (Gute Bucht) und stammt aus der Kolonialzeit. 1995 beschloss die Regierung des Bundesstaats Maharashtra, dessen Hauptstadt in Mumbai umzubenennen. Die indische Regierung bestätigte dies.

Namenspatin ist die regionale Hindu-Göttin Mumbadevi. Die Einwohner selbst benutzen beide Namen. Das höchste Gericht heißt noch "Bombay High Court" und die Börse "Bombay Stock Exchange".

11 000 Seiten Anklageschrift

In Indien ist es keineswegs anerkannte Meinung, dass auch Terroristen das Recht auf einen Verteidiger haben. Fernsehsender berichteten, man habe der Juristin nicht einmal erlaubt, mit ihrem Mandanten zu reden. Am Mittwoch wurde Kasab erstmals einem Richter vorgeführt. Aus Angst vor Racheakten oder Befreiungsversuchen findet der Prozess im Hochsicherheitsgefängnis von Mumbai statt, es wurde eigens ein sechs Meter langer Tunnel von Kasabs Zelle zum bombensicheren Verhandlungsraum gebohrt. Das Gericht will bis Freitag einen Ersatz für Waghmare finden.

Die Anklageschrift gegen Kasab und andere Verdächtige füllt 11 000 Seiten. Die Staatsanwaltschaft wirft Kasab unter anderem Mord, Entführung und "kriegerische Handlungen gegen Indien" vor. Über 2000 Zeugen will die Anklage aufbieten. Die Fakten sind erdrückend: Die Terroristen hatten Ende November Nobelhotels und andere Gebäude überfallen, Geiseln genommen und sich drei Tage einen blutigen Häuserkampf mit den Sicherheitskräften geliefert.

Indien legt die Taten der pakistanischen Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (LeT) zur Last, die auch Kontakte zum pakistanischen Geheimdienst ISI haben soll. Kasab soll alles gestanden haben. Indiens Polizei ist allerdings nicht zimperlich. Dass man Kasab "Wahrheitsdrogen" verabreicht und ihn gefoltert hat, ist zu vermuten.

"Schurken" aus Pakistan

Die Attacke hat den Friedensprozess zwischen den verfeindeten Atomstaaten Indien und Pakistan um Jahre zurückgeworfen. Die USA mussten sich einschalten, um die Krise zu entschärfen. Seit Monaten liefern sich die Nachbarn nun einen Kleinkrieg über die Beweislage. Indien wirft Islamabad vor, nicht hart genug gegen die Drahtzieher des Massakers vorzugehen. Pakistan kontert, Delhi liefere nicht ausreichend Beweise.

Westliche Geheimdienste stützen den Vorwurf Indiens, dass die LeT und möglicherweise auch "Schurkenelemente" aus dem pakistanischen Geheimdienst ISI hinter dem Anschlag stecken. Diese wollten offenbar eine Krise zwischen den beiden Erzfeinden provozieren, damit Pakistan seine Truppen von Afghanistan an die Grenze zu Indien verlegt. Dies hätte den Kampf gegen die Taliban und andere Extremisten geschwächt.

Autor:  CHRISTINE MÖLLHOFF
Datum:  15 | 4 | 2009
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