München. Auf dem Weg zur Theresienwiese steht eine bronzene Stele, umrahmt von einem fast drei Meter hohen Halbkreis. Direkt am Eingang zum Oktoberfest. "Zum Gedenken an die Opfer des Bombenanschlags vom 26.9.1980" steht darauf. 13 Wiesnbesucher starben damals, 211 wurden verletzt. Der Rechtsextremist Gundolf Köhler hatte in einem Papierkorb eine Rohrbombe deponiert.
29 Jahre ist das jetzt her, und schon lange nehmen die Oktoberfestgäste kaum noch Notiz von dem Zeichen der Erinnerung an den schlimmsten Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Wie in jedem Jahr drängen sie sich achtlos vorbei Richtung Zelte und Fahrgeschäfte, nutzen die Stele allenfalls als Treffpunkt. Voriges Jahr hatte das Mahnmal gar saniert und umgestaltet werden müssen, weil es dem Wiesntrubel nicht standgehalten hatte.
Die Menschen wollen in diesen Tagen in München feiern und trinken. Sie wollen sich ihr Fest nicht verderben lassen - auch nicht von Terrorwarnungen. Schon früh am Samstagmorgen sind U- und S-Bahnen in der bayerischen Landeshauptstadt voller Menschen, deren Ziel ob der Lederhosen und Dirndl unschwer zu erraten ist. Zu Tausenden drängen sie sich vor den Zelten, als das "Ozapft is" von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) noch Stunden entfernt ist.
Es ist wie immer: Die Zelte sind voll, bevor es losgeht. Die Biergärten sind voll, weil viel mehr gekommen sind, als drinnen Platz haben. Menschen stehen dicht gedrängt auf Bierbänken mit der Maß in der Hand, schunkeln und singen und trinken. Wollen nichts weiter als Spaß haben.
"Keine konkrete Terrorgefahr"
Angst hat da keinen Platz: nicht vor Schlägern, nicht vor Taschendieben, nicht vor der Schweinegrippe und nicht vor Terroranschlägen. Das bayerische Innenministerium hat erklärt: "Wir sehen keine konkrete Terrorgefahr auf der Wiesn." Und OB Ude, der nach dem Anstich wie in jedem Jahr den Festbesuchern zuruft: "Mein Wunsch ist wirklich, es möge eine friedliche Wiesn werden!", betont, es seien alle menschenmöglichen Vorkehrungen für eine sichere Wiesn getroffen. Absolute Sicherheit aber könne er nicht versprechen. So ist die Münchner Polizei mit rund 300 Beamten im Einsatz. Das Polizeipräsidium teilt mit, die Mitarbeiter der Wiesnwache machten "Business als usual", betont aber die große Herausforderung der nächsten zwei Wochen.
Denn neben dem Oktoberfest gibt es zahlreiche Kundgebungen in der Endphase des Bundestagswahlkampfs sowie diverse Fußballspiele. Polizeivizepräsident Robert Kopp findet: "Die Münchner Polizei ist für die Wiesn gut gerüstet." Verstärkt hat sie die Videoüberwachung. Insgesamt 17 Kameras sollen das Oktoberfest "noch ein Stückchen sicherer machen". Diese Art der Überwachung habe sich bestens bewährt.
Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte im Deutschlandfunk: "Wir können uns bestmöglich wappnen mit starker Polizeipräsenz." Viele verdeckte Kräfte seien im Einsatz. Er findet, es würde keinen Sinn machen, alle großen Fußballspiele, große kulturelle Veranstaltungen oder alle großen Volksfeste abzusagen.
Nach dem 11. September 2001 war eine Absage des Oktoberfests in München heftig diskutiert worden. Die Eröffnung sei "eine der schwierigsten Entscheidungen meiner Amtszeit" gewesen, sagte OB Ude kürzlich. Nach dem Bombenanschlag 1980 machte das Oktoberfest nur einen Tag Pause.
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