Berlin. Die deutschen Sicherheitsbehörden haben keine konkreten Hinweise auf bevorstehende Terroranschläge in Deutschland. Dies hob Innen-Staatssekretär August Hanning am Donnerstag in Berlin hervor, nachdem er sich mit den Spitzen von Bundesnachrichtendienst, Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz und Technischem Hilfswerk getroffen hatte.
Hanning wiederholte allerdings zugleich eine Einschätzung, die das Innenministerium seit Jahresbeginn gebetsmühlenartig vorträgt: Deutschland befinde sich im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus. Gewaltbereite Islamisten könnten versuchen, durch einen Anschlag in Deutschland oder gegen Deutsche im Ausland die öffentliche Meinung zu beeinflussen, damit die Unterstützung für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan weiter schwindet.
Seit Januar beobachten hiesige Sicherheitsbehörden einen steilen Anstieg von "Reisebewegungen" in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. Etwa 50 gewaltbereite Islamisten aus Deutschland, so die Befürchtung, bereiteten eine Reise in diese Region vor, um dort Terrorcamps zu durchlaufen und sich so auf mögliche Anschläge vorzubereiten.
Gleichzeitig haben BND, BKA und Verfassungsschutz eine wachsende Zahl von Drohvideos im Internet registriert, die klare Bezüge zu Deutschland aufweisen. Entweder werden diese Terrorbotschaften mit deutschen Untertiteln versehen oder sogar im besten Deutsch vorgetragen. Insgesamt habe das "Summen im Bienenkorb zugenommen", bilanzierte ein Sicherheitsexperte. Das soll heißen, in der Islamistenszene werde viel über angebliche Anschlagspläne gemunkelt.
Anschläge in Madrid als Vorbild
Im Bundesinnenministerium gibt es deshalb seit geraumer Zeit die Sorge, islamistische Terroristen könnten insbesondere im Vorfeld der Bundestagswahl einen Anschlag begehen, um den Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan zu erreichen.
Als Vorbild, so diese Überlegung, gilt ein Anschlag am 11. März 2004 in Madrid. Damals waren zehn Sprengsätze in spanischen Vorortzügen explodiert und hatten knapp 200 Fahrgäste getötet. Bei der drei Tage später folgenden Parlamentswahl gewann überraschend klar der Sozialist José Luis Rodríguez Zapatero, der für einen Abzug aus Afghanistan eingetreten war. Staatssekretär Hanning sieht die Behörden allerdings "gut gewappnet".
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