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Anschlag auf "Jyllands-Posten": Terroristen planten Massaker

Das Redaktionsgebäude gleicht einem Bunker - und das nicht umsonst. Seit der "Jyllands-Posten" die umstrittenste der Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, ist die Zeitung zur Hassikone radikaler Islamisten geworden. Der jüngst verhinderte Anschlag sollte offenbar viele Menschen in den Tod reißen.

Redaktionsgebäude hinter Gittern: Hohe Sicherheitsvorkehrungen sollen die Redaktion des Jyllands-Posten schützen.
Redaktionsgebäude hinter Gittern: Hohe Sicherheitsvorkehrungen sollen die Redaktion des Jyllands-Posten schützen.
Foto: dpa
Kopenhagen –  

„Politikens Hus“ am Kopenhagener Rathausplatz, früher ein Zeitungshaus mit offenen Türen für alle, gleicht einem Bunker, seit vor zwei Jahren die Kopenhagener Redaktion von Jyllands-Posten dort einzog. Wächter, Sicherheitsschleusen und Metalldetektoren hindern den freien Zugang. Auch im Hauptquartier in Aarhus sind Redaktion und Druckerei hinter Beton und Stacheldrahtverhau verschanzt.

Dass dies keine übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen sind, wurde den Dänen jetzt erneut vor Augen geführt. Die Verhaftung von fünf Männern, die einen Terroranschlag auf die Zeitung geplant haben sollen, hat nicht zum ersten Mal die Funktion Jyllands-Postens als Hassikone radikaler Islamisten entlarvt. „Dies hört nie mehr auf“, seufzt Kurt Westergaard, der vor mehr als fünf Jahren die umstrittenste der berühmt-berüchtigten Mohammed-Karikaturen zeichnete: die mit der Bombe im Turban des Propheten.

Verdächtige in U-Haft

Die Geheimdienste halten sich zugute, in den vergangenen beiden Jahren sieben Anschläge verhindert zu haben, die gegen Westergaard und Jyllands-Posten gerichtet waren. Und auch am Dienstag setzten sich drei in Schweden ansässige Männer mit libanesischen und tunesischen Wurzeln in einen Mietwagen und fuhren mit einer Maschinenpistole und reichlich Munition im Kofferraum Richtung Kopenhagen, wo ein in Dänemark lebender Iraker ihnen eine Wohnung beschafft hatte.

Was sie nicht wussten, war, dass in dem Auto ein Sender angebracht war, der der schwedischen Sicherheitspolizei Säpo die Route anzeigte. Als die Männer die Öresundbrücke passierten, übernahm die dänische PET die Überwachung. „Seit Monaten rund um die Uhr“ habe man die mutmaßlichen Terroristen im Visier gehabt, sagt Säpo-Chef Anders Danielsson. Dass man sie nicht früher festnahm, hatte mit der Beweissicherung zu tun.

Doch als die drei am Mittwoch die Kopenhagener Vorstadtwohnung verließen, konnte die Polizei nicht mehr zögern. Der Anschlag habe „unmittelbar bevorgestanden“, sagt PET-Chef Jakob Scharf. Am Donnerstag wurden sie wegen unerlaubten Waffenbesitzes und der Vorbereitung terroristischer Handlungen für zunächst vier Wochen inhaftiert. Sie bestreiten jede Schuld. Auch in Stockholm sitzt ein Verdächtiger in Untersuchungshaft. Der 26-jährige Wohnungsbeschaffer ist hingegen wieder auf freiem Fuß. Die Ermittlungen gegen ihn dauern an.

Die Polizei glaubt, dass die Gruppe ins „Politikens Hus“ eindringen und dort ein Massaker anrichten wollte. Die Männer hätten Verbindungen zu internationalen Terrorgruppen, sagt Scharf und will nicht ausschließen, dass sie die Pläne des in Chicago inhaftierten David Headley in die Tat umsetzen wollten. Headley, der gestanden hat, an den Terrorüberfällen in Mumbai beteiligt gewesen zu sein, hat auch Jyllands-Posten in Hinblick auf einen Anschlag ausspioniert. Bei den Zeitungsmitarbeitern hieß es: „Oh nein, nicht schon wieder“, als sie von den Attentatsplänen hörten, berichtet Vertrauensmann Bo Jørgensen. „Das waren offensichtlich fünf Täter mit militärischer Planung. So ernst war die Bedrohung noch nie.“

Autor:  Hannes Gamillscheg
Datum:  30 | 12 | 2010
Kommentare:  5
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