München/Nikosia/Berlin. Über der Münchner Wiesn herrscht von diesem Wochenende an ein Flugverbot. Wie das Bayerische Innenministerium am Samstag mitteilte, hat das Bundesverkehrsministerium noch am Freitagabend auf Antrag von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine Flugverbotszone über dem Oktoberfest angeordnet.
Am Donnerstag hatte ein tief über der Festwiese fliegendes Werbeflugzeug für Aufregung bei den Feiernden und besorgte Anrufe bei der Polizei gesorgt. "Eine Flugverbotszone erscheint uns aufgrund der aktuellen Sicherheitslage für geboten", sagte Hermann mit Blick auf jüngste Terrorwarnungen gegen Deutschland. Die Anordnung gelte bis zum Ende des Oktoberfestes.
Die Bundeswehr in Afghanistan. Erstmals befinden sich deutsche Soldaten in einem Kampfeinsatz außerhalb Europas.
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Auch Frankfurter Skyline in Terrorvideo
Nach dem Terrornetzwerk El Kaida haben auch Taliban auf einer türkischsprachigen Seite ein gegen Deutschland gerichtetes Terrorvideo veröffentlicht. Darin droht ein deutschsprachiger Kämpfer, der sich "Ajjub" nennt, mit Anschlägen. Das 13 Minuten lange Video zeigt außerdem laut Untertitel Schießübungen deutscher Mudschaheddin, sowie das Training beim Robben im Schnee in Tarnuniformen.
Neben eingeblendeten Fotos vom Brandenburger Tor in Berlin, dem Hauptbahnhof in Hamburg, dem Münchner Oktoberfest, dem Kölner Dom und der Frankfurter Skyline werden auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und der frühere Verteidigungsminister Peter Struck gezeigt. Jung wird als "Kriegsminister" bezeichnet. Er sei ein "Fall für den Henker".
Die Aufnahme zeige den US-Bürger Abu Ibrahim Amriki, erklärte das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen IntelCenter am Samstag. In dem Video nennt sich der Mann "Ajjub Almani". Er sitzt vor einer Ziegelwand. Hinter ihm ist ein Banner aufgehängt, dessen Schriftzug von einem Schwert zweigeteilt wird.
Laut "Spiegel online" steht auf dem Banner "Islamisches Emirat Afghanistan" - das sei die Selbstbezeichung der Taliban. Das am Freitagabend auf einer dschihadistischen Internetseite erschienene Video soll Teil der seit einer Woche gegen Deutschland gerichteten Propaganda-Kampagne des Terrornetzwerks Al Qaida sein.
Nach den Worten eines nicht näher benannten Sicherheitsbeamten handelt es sich um "das konkreteste Drohvideo", das sich je gegen Deutschland richtete, berichtet "Spiegel online". Es würden Orte für mögliche Anschläge gezeigt und der Bundesverteidigungsminister "konkret als Zielperson eingeblendet", sagte der Beamte. "Das gab es in dieser expliziten Form noch nie."
Wörtlich heißt es in dem Video: Erst durch euren Einsatz hier gegen den Islam wird ein Angriff auf Deutschland für uns Mudschaheddin verlockend. Damit auch ihr etwas von dem Leid kostet, welches das unschuldige afghanische Volk Tag für Tag ertragen muss." Es sei nur eine Frage der Zeit, bis "der Dschihad die deutschen Mauern einreißt". Wer sich hinter dem Kampfnamen "Ajjub" verbirgt, ist unklar. Bisher war nicht bekannt, dass die Taliban über deutsche oder deutschsprachige Rekruten verfügen.
Das Video wirkt besonders aktuell, weil in einem Lauftext Bezug auf den Luftangriff auf die beiden Tanklaster in Afghanistan genommen wird. Der Text versucht die Sicht der Taliban dazu darzustellen. Danach seien viele Jugendliche unter den Getöteten gewesen. Der vermummte Sprecher bezieht sich außerdem auf die jüngste Berichterstattung, wonach viele Soldaten seelisch krank aus Afghanistan zurück kehren würden.
Das Bundeskriminalamt wertet diverse Videos der letzten Tage mit Bezug zu Deutschland aus. Zur Authentizität des letzten Videos könne er nichts sagen, erklärte ein Sprecher der FR.
Osama bin Laden mit deutschen Untertiteln
Kurz vor der Bundestagswahl ist im Internet auch eine dem islamischen Extremistenführer Osama bin Laden zugeschriebene Audiobotschaft mit deutschen Untertiteln aufgetaucht. Wie das auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen SITE am Freitag mitteilte, fordert eine Stimme zu einem Standbild des Chefs des Terrornetzwerks El Kaida den Abzug der europäischen Truppen aus Afghanistan.
In der an die "europäischen Völker" gerichteten knapp fünfminütigen Botschaft fordert bin Laden die europäischen Staaten auf, ihre Allianz mit den USA aufzukündigen und ihre Truppen aus Afghanistan abziehen.
Zahlreiche Menschen würden in Afghanistan getötet. Dies sei ein "gewaltiges Unrecht". "Und gewiss gehört es zur Gerechtigkeit, dass ihr mit eurem Unrecht aufhört und eure Soldaten abzieht."
Das Video werde derzeit gesichtet und ausgewertet, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Stefan Paris. "Wir nehmen das sehr ernst." Es füge sich in die "massive Propaganda von El Kaida" ein.
Zuvor war eine weitere islamistische Videobotschaft mit Deutschlandbezug im Internet aufgetaucht. Das dritte Video des aus Bonn stammenden Islamisten Bekkay Harrach enthalte aber "keine neuen direkten Drohungen gegen Deutschland", teilte das Bundesinnenministerium mit.
In der neuen Botschaft verweist Harrach unter anderem auf Videos von Selbstmordattentätern, "die in ihrer Autobombe sitzen und ins Paradies losfahren wollen". An anderer Stelle nennt Harrach den Dschihad "ein Projekt, welches realisiert werden muss".
"Ob ich selbst erfolgreich sein werde, ist keine Bedingung, um am Dschihad teilzunehmen. Ich kann mein Ziel erreichen, ich kann aber auch in Guantanamo landen. Für die Sache Allahs muss ich bereit sein, alles in Kauf zu nehmen." Aus der Botschaft war laut Paris keine konkrete Gefährdung für Deutschland herauszulesen.
Am Freitag vergangener Woche hatte Harrach den Deutschen in einem ersten Video mit einem "bösen Erwachen" gedroht, sollten sich die Wähler bei der Bundestagswahl nicht für einen Politikwechsel entscheiden. Deutschland würde nur dann von Anschlägen verschont, wenn es seine Truppen aus Afghanistan abziehe.
Harrach rief die Muslime in Deutschland auf, sich in den zwei Wochen nach der Wahl "von allem, was nicht lebensnotwendig ist", fernzuhalten.
In Stuttgart wurde am Donnerstag ein Mann verhaftet, der das zweite Harrach-Video ins Internet gestellt haben soll. Der 25-jährige Türke ist laut Polizei als Unterstützer von radikalen Islamisten seit längerem bekannt. Für die Herstellung des rund 4000 Mal angeklickten Videos komme der Arbeitslose allerdings nicht als Urheber in Frage. (dpa/afp/ddp/kho)
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