Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flucht und Zuwanderung | USA nach der Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

07. Oktober 2008

Thailand: 350 Verletzte nach Polizeieinsatz

 Von Moritz Kleine-Brockhoff
Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten in Thailand sind mindestens 65 Menschen verletzt worden.  Foto: rtr

Die politische Krise in Thailand wird dramatischer. Zum zweiten Mal in wenigen Wochen gibt es zwei Tote während eines Polizeieinsatzes gegen Demonstranten. Der stellvertretende Regierungschef tritt zurück. Von Moritz Kleine-Brockhoff

Drucken per Mail

Bangkok. In Thailands Hauptstadt Bangkok sind bei Ausschreitungen und einer Explosion am Parlament zwei Menschen getötet und mehr als 380 Demonstranten teils schwer verletzt worden. Bei der Explosion eines Autos nahe einer Zentrale einer der Regierungsparteien kam ein weiterer Mensch ums Leben. Demonstranten belagerten das Parlament und das Polizeihauptquartier. Nach Presseberichten verließen am Abend mehrere Lastwagen mit Soldaten Kasernen. Manche fuhren zum Parlament. Nähere Informationen lagen zunächst nicht vor. Thailands Militär puschte zuletzt 2006.

Am Dienstagmorgen wollten Regierungsgegner eine wichtige Rede von Premier Somchai Wongsawat verhindern, sie blockierten alle Zugänge zum Parlamentsgebäude. Polizisten vertrieben die Menge mit Tränengas. Ein Demonstrant wurde von einer Gasgranate getroffen und verlor einen Unterschenkel. Ein anderer Demonstrant stach einem Polizisten mit einer Eisenstange in die Brust, der Beamte überlebte schwer verletzt. Am Abend wurden drei Polizisten von Schüssen getroffen.

Thailands stellvertretender Ministerpräsident Chavalit Yongchaiyudh trat zurück. Offenbar hatte er die Maßnahmen der Polizei am Morgen angeordnet. "Ich bin teilweise für den angerichteten Schaden verantwortlich", schrieb Yongchaiyudh in seinem Rücktrittsgesuch. "Der Gaseinsatz war notwendig", sagte dagegen Polizei-General Amnuay Nimmano.

Thailand steckt seit drei Jahren in einer tiefen Politkrise. Derzeit protestieren Mitglieder einer sogenannten "Volksallianz für Demokratie" gegen die demokratisch gewählte Regierung. Seit August belagern Tausende von Menschen den Sitz der Regierung, die mittlerweile in ein altes Flughafengebäude umgezogen ist.

Die Protestler werfen der Regierungspartei Korruption sowie Wahlbetrug vor und sehen Minister als Marionetten von Thailands Expremier Thaksin Shinawatra an. Er regierte ab 2001 und wurde 2006 von Militärs gestürzt. Thaksin, ein Milliardär, ist wegen Korruption angeklagt. Er flüchtete nach Großbritannien und hat dort politisches Asyl beantragt.

Seine Kritiker unterstellen ihm, dass er von London aus immer noch Thailands Politik beeinflusst. In diesem Jahr wurde in Bangkok zunächst ein Freund Thaksins Premierminister, seit drei Wochen regiert Thaksins Schwager Somchai Wongsawat. "Somchai ist Handlanger", behauptete Chamlong Srimuang, ein Anführer der Volksallianz. Chamlong wurde am Montag verhaftet. Zuvor war ein anderer Kopf der Volksallianz festgenommen worden, gegen sieben weitere sind Haftbefehle erlassen. Allen wird vorgeworfen, Unruhe anzustacheln.

In der Nacht zum Dienstag zogen Protestler vom Regierungspalast zum Parlament und versperrten alle Zugänge mit Eisengestellen und Stacheldrahtrollen. Sie wollten den neuen Premier Somchai daran hindern eine Grundsatzrede zu halten, die laut Verfassung zur Vollendung seiner Regierungsbildung notwendig ist.


Die politischen Analysen und Kommentare der FR -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

Im Morgengrauen rückten Polizisten an. Ihr Tränengaseinsatz war dazu gedacht, Abgeordneten, Senatoren und Kabinett Zugang zum Parlament zu ermöglichen, was durch die Gewalt auch gelang. "Es ist nicht rechtens, gewählte Volksvertreter zu behindern", sagte Premier Somchai, der seine Rede hielt. Oppositions-Abgeordnete erschienen nicht.

Unterdessen versammelten sich draußen die Demonstranten erneut und versperrten wieder Zugänge. Premier Somchai verließ das Gelände über einen Zaun und bestieg einen Hubschrauber. Andere Politiker konnten erst nach erneuten Tränengaseinsätzen der Polizei in Sicherheit gebracht werden. In der Nähe explodierte vor dem Büro eines Koalitionspartners der Regierungspartei ein Sprengsatz. Dabei starb ein Mann. Am Abend beschossen Demonstranten Polizisten, die das Parlament schützten. Soldaten kamen und bezogen Stellungen. Vor dem Polizeihauptquartier hielten Ausschreitungen an. (mit ap)

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

SPD

Ist Martin Schulz eine echte Alternative?

Von  |
Kanzlerkandidat Martin Schulz: Wofür steht der lustige Mann aus Würselen?

Der ehemalige Präsident des EU-Parlaments ist persönlich bestens für die Kanzlerkandidatur geeignet. Aber steht er auch für echte Alternativen zum Merkelismus? Der Leitartikel.  Mehr...

Europäische Rechte

Das neue Gefühl der Macht

Von  |
Wilders, Petry und Le Pen kündigen das Jahr der Patrioten an.

Die internationale Rechte schwört sich ein auf den politischen Kampf gegen die europäische Demokratien. Sie stößt auf nicht mehr als ungläubiges Staunen der Öffentlichkeit. Der Leitartikel. Mehr...

 

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung