Bangkok. Der Machtkampf in Thailand zwischen regierungsfeindlichen Demonstranten und Sicherheitskräften ist über Ostern eskaliert. Zwei Menschen wurden nach Regierungsangaben am Montag bei Straßenschlachten in Bangkok getötet, knapp 100 verletzt, vier erlitten Schusswunden. Protestierende hätten in der Nähe einer Demonstration auf mehrere Menschen geschossen, sagte ein Regierungssprecher im Fernsehen. Dabei seien zwei Männer im Alter von 54 und 19 Jahren tödlich getroffen worden.
Die Polizei feuerte auf Demonstranten und setzte Wasserwerfer ein. Die Demonstranten ihrerseits warfen Brandbomben und Steine auf Soldaten. Nach Protesten und dem Abbruch des Asean-Gipfels hatte Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva am Sonntag den Notstand für die Hauptstadt ausgerufen. Das Auswärtige Amt in Berlin riet, auf nicht notwendige Reisen nach Bangkok zu verzichten.
Hauptbrennpunkt der Konfrontation in Bangkok war am Montag eine der wichtigsten Straßenkreuzungen der Stadt. In rote Hemden gekleidete Demonstranten blockierten die Din-Daeng-Kreuzung. Sie kippten Treibstoff auf die Straße und drohten damit, ihn anzuzünden, sollten die Soldaten gegen sie vorgehen. Mit dem Einsatz von Wasserwerfern gelang es den Soldaten dennoch, die Demonstranten zu vertreiben. Diese setzten mehrere Busse und ein Regierungsgebäude in Brand.
Dem ärztlichen Notdienst des Landes zufolge wurden am Montag 94 Menschen verletzt, unter ihnen auch Soldaten. Am Abend ging die Armee gegen ein seit drei Wochen bestehendes Demonstrantenlager am Regierungssitz vor. Der oberste Militärbefehlshaber Songkitti Chakabakr versicherte, die Armee versuche die Ordnung mit allen zur Verfügung stehenden friedlichen Mitteln wiederherzustellen.
Am Vorabend hatten mindestens 40.000 Menschen, zumeist Anhänger des früheren Regierungschefs Thaksin Shinawatra, für einen Rücktritt Abhisits demonstriert. Thaksin erklärte aus dem Exil heraus, jetzt sei die "goldene Zeit" des Aufstands gegen die Regierung.
Sollte es einen Putsch geben, sei er bereit diesen anzuführen. Seit 1932 gab es in Thailand 18 Staatsstreiche. Beobachter schließen einen weiteren nicht aus, falls sich die Lage weiter zuspitzt. "Ich glaube, dass uns die dunkelsten Stunden in Thailands Geschichte noch bevorstehen, da keine rasche Lösung für die bestehende Spaltung in Sicht ist", sagte der Asien-Pazifik-Experte Prinn Panitchpakdi.
In Thailand stehen sich zwei politische Lager gegenüber. Zu dem einen werden Monarchisten, das Militär und die städtischen Mittelschichten gezählt, das andere stützt sich auf die arme Landbevölkerung, die zu Thaksin und dessen populistischen Maßnahmen hält.
Mehrere Länder wie Singapur, Australien und Kanada warnten vor Reisen in das südostasiatische Land. Das Auswärtige Amt in Berlin gab eine Reisewarnung für Bangkok heraus. Die Schwerpunktgebiete des Tourismus im Süden wie Phuket seien bisher jedoch nicht von den Unruhen betroffen, hieß es in der Internet-Mitteilung.
Abhisit selbst war Ende 2008 nach Massenprotesten seiner Anhänger gegen die Regierung der neu formierten Partei Thaksins an die Macht gekommen. Abhisits Anhänger hatten unter anderem Bangkoks Flughafen besetzt, um den Rücktritt des damaligen Regierungschefs Somchai Wongsawat - Thaksins Schwager - zu erzwingen. Hunderttausende Touristen saßen damals in Thailand fest. (rtr/dpa)
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