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02. Januar 2013

Thierse vs. Schwaben: Duell am Kollwitzplatz

 Von Karl Doemens
Unmissverständlich: Herzliche Abneigung.  Foto: Reinhard Kaufhold

Kein Schrippen, keine Pfannkuchen: Wolfgang Thierse beklagt den schwäbischen Einfluss in Prenzlauer Berg, "seinem" Kiez. Kritiker nehmen das als Anlass zum Streit.

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Um die Jahreswende hat es der Berliner schwer. Der Himmel ist grau, die S-Bahn von feierwütigen Touris verstopft, die Straße des 17. Juni gesperrt, und den letzten Tisch beim Italiener haben Yuppies aus Westdeutschland belegt. Da kann dem Berliner schon mal der Pfannkuchen (für erst kürzlich Zugewanderte: Fettgebäck mit Marmelade) im Hals stecken bleiben.

Etwa so muss sich Wolfgang Thierse (SPD) gefühlt haben, der kantige Rauschebart im Bundestag. Es befalle ihn „eine gewisse Melancholie“, gestand der 69-Jährige der Berliner Morgenpost. Damit meinte er eigentlich seinen anstehenden Abschied aus dem Parlament. Auch die Entwicklung im Kiez stimmt Thierse traurig.

Seit 40 Jahren wohnt er in Prenzlauer Berg. Aus dem zu DDR-Zeiten vernachlässigten Biotop für Querdenker ist längst ein Stadtteil mit Bio-Läden, sanierten Wohnungen und Kindern im trendigen Babyjogger geworden. „Ich ärgere mich, wenn ich beim Bäcker erfahre, dass es keine Schrippen gibt, sondern Wecken“, klagt der Ureinwohner Thierse. Man sage in Berlin Schrippen: „Daran könnten sich selbst Schwaben gewöhnen.“ Aber nein: „Die Schwaben“ kämen in die Hauptstadt, weil sie alles so quirlig fänden, nach einer Weile würden sie jedoch am liebsten ihre Kehrwoche einführen: „Das passt nicht zusammen.“

Damit dürfte Thierse die Stimmung vieler zuwanderungskritischer Menschen in Prenzlauer Berg und Kreuzberg getroffen haben, die „den Schwaben“ als Inkarnation der Öko-Schickeria sehen und zur Not schon mal dessen Kinderwagen abfackeln.

Schwaben-Konter

Doch nun schießen die Württemberger zurück: „Die Berliner sollten uns Schwaben dankbar sein und nicht über uns lästern wie Herr Thierse“, wettert Grünen-Chef Cem Özdemir. EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) droht, ohne den Länderfinanzausgleich aus dem Süden sähe es in Berlin traurig aus. Und FDP-Entwicklungsminister Dirk Niebel, ein Freund des ungehobelten Worts, poltert: „Die Schwaben in Berlin passen zum modernen Deutschland weitaus besser als mancher pietistische Zickenbart.“

Das sitzt. „Lächerlich“ findet Thierse die Reaktionen und bezichtigt seine Kritiker der Humorlosigkeit: „Berliner haben mehr Witz.“ Es riecht nach Duell am Kollwitzplatz. Doch Vorsicht, Herr Thierse, die Sache ist heikel! Wo nämlich kommt der neue Berliner Polizeipräsident her? Richtig! Aus Schwaben.

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