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Thüringen: Rot-rote Quälerei

Ramelow, Matschie und die Koalitionsfrage.

Es war wie beim Kindergeburtstag: Ein Ball kracht in die Wohnzimmerscheibe, überall Scherben und betretene Gesichter - und keiner will's gewesen sein.

In Thüringen hatte den Ball der Spitzenkandidat der Linken, Bodo Ramelow, durchs Fenster geschossen, in einem Gespräch mit der Thüringer Allgemeinen: "Eine Regierung wird nicht an der Personalfrage scheitern", sagte er. Die Staatskanzlei sei zweitrangig. Übersetzt hieß das: 2009, wenn ein neuer Landtag gewählt wird, wollen wir Dieter Althaus und seine CDU ablösen. Sollte das mit einer SPD, die weniger Stimmen erhielte als die Linke, nur zu haben sein, wenn sie den Ministerpräsidenten stellt - warum nicht.

Ein tolles Angebot. Christoph Matschie, der erstaunte SPD-Chef, lehnte zunächst nicht ab. "Für uns haben wir nur ausgeschlossen, dass die SPD einen Linken zum Ministerpräsidenten wählen wird." Alles andere sei "offen". Dann vergingen ein paar Tage, in denen alle etwas gründlicher nachdachten, zum Beispiel über Umfrageergebnisse. Seit mehr als einem Jahr rangieren Matschies Sozialdemokraten mit 20 Prozent deutlich hinter den Linken, die in Thüringen wie die CDU bei 31 Prozent liegen. Wäre dies das Wahlergebnis, würde der viel kleinere Christoph dem größeren Bodo vorschreiben, wie regiert wird - ohne eigene Mehrheit.

Als Erster bekam Ramelow zittrige Knie. Seine Linkspartei schimpfte wie ein Rohrspatz. Nur bei einem kleinen Vorsprung der Linken vor der SPD sei man bereit, den Chefsessel abzugeben, schob Ramelow nach. Wobei immer noch ungeklärt ist, wie klein klein ist. "Wir werden mit Abstand stärkste Partei und stellen natürlich auch den Ministerpräsidenten", donnerte Linksparteichef Knut Korschewsky.

Matschies Haltung beweise, dass sich eine Volkspartei nicht weiter erniedrigen könne, giftete CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Aber auch innerhalb der SPD gab es Stänkereien: Die Partei habe im Winter bei einer Urwahl entschieden, nicht als Schwächere in eine Koalition mit den Linken zu gehen, moserte der frühere Parteichef und Innenminister Richard Dewes, der gegen diesen Beschluss war.

Mittlerweile fegen sie die Scherben zusammen. Der Ramelow habe sich nur "verquatscht", heißt es in der SPD. "Sein Angebot ist völlig unglaubwürdig", sagt Matschie. Bliebe es bei den Umfrageergebnissen, würde die schwache SPD wohl zum Junior von CDU-Ministerpräsident Althaus. Und der müsste dafür noch nicht mal seinen Amtssessel räumen.

Autor:  BERNHARD HONNIGFORT
Datum:  6 | 9 | 2008
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