Peking. Vor dem 20. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung in China an diesem Mittwoch haben die Familien der Opfer eine Aufarbeitung des Militäreinsatzes gefordert.
"Wir fordern die Regierung auf, die Wahrheit zu enthüllen. Wie viele Menschen sind getötet worden? Wer ist gestorben?", fragte die pensionierte Professorin Ding Zilin, die dem Netzwerk der "Mütter von Tian'anmen" vorsteht, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa in Peking. "Es muss den Familien der Getöteten eine Erklärung gegeben werden. Wie sind unsere Angehörigen ums Leben gekommen?", fragte die Professorin, deren 17-jähriger Sohn einer der ersten war, die von den Truppen erschossen worden waren.
Die Schriftstellervereinigung P.E.N.-Zentrum Deutschland (Darmstadt) hat anlässlich des Jahrestages China zur Wahrung der Menschenrechte aufgefordert. Autoren, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das kollektive Gedächtnis an die blutigen Ereignisse von 1989 wach zu halten, würden von der chinesischen Führung verstärkt unter Druck gesetzt, heißt es in einer Mitteilung von P.E.N.-Präsident Johano Strasser vom Dienstag. Die "Freiheit des Wortes" werde in China bis heute missachtet.
Die "Mütter von Tian'anmen" stellten unterdessen weitere Forderungen. "Es muss eine Untersuchung durch die Justiz geben", sagte Ding Zilin. Die Familien forderten Beweise für die Behauptung, dass ihre getöteten Angehörigen wirklich Randalierer gewesen seien und an einer "konterrevolutionären Rebellion" teilgenommen hätten, wie es damals noch geheißen hatte. "Gebt uns eine Erklärung", sagte die 73-Jährige Professorin. "Es sollte nicht für immer ein Geheimnis bleiben. Das ist der Schlüssel." Fakten seien die Voraussetzung und die Grundlage zur Aufarbeitung des Massakers. "Wurde mein Kind aus Versehen getötet oder unschuldig?"
Der chinesische Volkskongress solle einen Untersuchungsausschuss schaffen, um die Wahrheit und die Verantwortlichen zu ermitteln. Auch sollten die Opfer und ihre Familien entschädigt werden. Seit Jahren stellten die "Mütter von Tian'anmen" immer wieder diese Forderungen an die Regierung und das Parlament. "Aber niemand spricht mit uns." Die Professorin forderte auch ein Ende der Beobachtung und Belästigung der Familien durch die Staatssicherheit. Immer wieder werde ihnen das Recht verweigert, um den Jahrestag auf den Friedhöfen um die Angehörigen zu trauern.
Zum 20. Jahrestag des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking hat die Bundesregierung an die chinesische Führung appelliert, die restlichen Inhaftierten von 1989 freizulassen. Es sei an der Zeit, den Opfern und ihren Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, erklärte der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Günter Nooke, am Dienstag in Berlin. Deutschland werde sich weiter für die Meinungsfreiheit in China und die Aufarbeitung des Massakers einsetzen. (dpa)
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